Osnabrück: „Audit war ein Treiber für unsere Entwicklung“

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Der Landkreis Osnabrück hat 360.000 Einwohner und ist der zweitgrößte Landkreis in Niedersachsen. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Im November 2019 bekam Osnabrück als erste kommunale Verwaltung nach erfolgreichem Reaudit das Zertifikat „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ zum zweiten Mal verliehen. Wie sie die Prozesse erlebt hat, schildert 1. Kreisrätin Bärbel Rosensträter im Interview.

Frau Rosensträter, haben Sie im zweiten Auditprozess etwas anders gemacht als im ersten?

Wir haben nichts anders gemacht. Grundsätzlich: Wir freuen uns sehr, dass wir der erste Landkreis sind, der reauditiert wurde. Das zeigt, welchen langen Atem man haben muss, um Change Prozesse im eigenen Betrieb gut zu bearbeiten, nämlich sozialpartnerschaftlich, beteiligungsorientiert und immer die betrieblichen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Blick habend.

Dennoch haben sie den Prozess ein zweites Mal „auf sich genommen“.

Wir wollen einen guten Service für unsere Bürgerinnen und Bürger bieten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne machen. Dafür lohnt es sich, sich einzusetzen. Wir sind es gewohnt, Steuerungskreisläufe zu durchlaufen, um Innovationen zu erreichen. Das Schöne am Audit ist jedoch, dass es sehr strukturiert ist und man sich keine Gedanken über die Vorgehensweise machen muss. Man bekommt durch die Prozessbegleitung einen Schulterblick.

Die Offenheit für einen solchen Prozess muss allerdings da sein, auf oberster Führungsebene ebenso wie auf Seiten der Personalvertretung. Aber das INQA-Audit ist ein echter Treiber für die Entwicklung. Damit ist es sehr lohnend, sich dieses Instruments zu bedienen.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir haben uns an der Mitarbeiterbefragung orientiert, an den Anliegen, die unsere Kolleginnen und Kollegen haben. Da geht es beispielsweise um selbstständiges Arbeiten, einen Arbeitsplatz zu haben, der umfänglich, mit viel Engagement und mit viel eigener Verantwortung wahrgenommen werden kann. Es geht um Gesundheit. Ein moderner Arbeitgeber braucht ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement.

Als öffentlicher Arbeitgeber haben wir jedoch in vielen Themen die Herausforderung, dass wir nicht frei, sondern sowohl an den öffentlichen Tarif als auch an teils sehr enge Vorgaben gebunden sind. Trotzdem ganz aktiv in einem Prozess in eine Umsetzung zu kommen, davon waren beide Audits geprägt.

Können Sie einige Maßnahmen nennen die Sie umgesetzt haben?

In der Säule Gesundheit haben wir ein Angebot für sportliche Aktivitäten umgesetzt, wir sind intensiv am Job.Rad (Fahrradleasing, Anmerkung der Redaktion) dran. Kommunikation, Wertschätzung, Führung sind stets aktuelle Themen. Diese vor dem Hintergrund immer größerer Aufgabenfüllen für die Kommunalverwaltung zu bearbeiten war Kernpunkt des Reaudits.

Was haben Sie in der Säule Wissen & Kompetenz umgesetzt?

Die große Fluktuation zwingt uns Strategien zu entwickeln, zum Beispiel ein digital gestütztes Wissensmanagement aufzubauen das die Aufgabenübergabe einfacher macht. Hier sind wir auf dem Weg, wir haben das Konzept entwickelt. Wir sind noch weit davon entfernt, dies für jeden Arbeitsplatz umgesetzt zu haben. Zukunftsfähigkeit ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess in dem wir viel lernen, der durch das Audit angestoßen wurde, im Reaudit nochmals verstärkt aufgenommen wurde und der weiter geht.

Wie erlebten Ihre Kolleginnen und Kollegen die beiden Auditprozesse?

Grundsätzlich: Die Umsetzung muss tatsächlich ankommen und vor Ort erlebt werden. Mitarbeiterbindung wird nicht durch das Konzept erreicht, sondern durch die Umsetzung. Das Audit hilft dabei, in die echte Umsetzung zu kommen und dabei auf die richtigen Maßnahmen zu setzen. Die 1.800 Kolleginnen und Kollegen sehen und bemerken, dass ihr Arbeitgeber gemeinsam mit dem Personalrat sehr intensiv an den einzelnen Herausforderungen arbeitet.

Information und Anmeldung: www.inqa-audit.de, malte.borges@demografieagentur.de

Autor: Doris Goossens


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