Faire Beschaffung in der Kommune als gelebte Praxis: Beispiel Bremen

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„Bei uns in Bremen spielt das Thema faire Beschaffung schon lange eine wichtige Rolle. Als Hansestadt profitieren wir seit dem Mittelalter vom überregionalen und auch internationalen Handel. Diese Identität ist für uns heute die Motivation, den Handel fair und nachhaltig zu gestalten, sodass alle Beteiligten weltweit davon profitieren können.“

Dr. Olaf Joachim, Staatsrat in der Bremer Senatskanzlei für Medien, Internationales und Entwicklungszusammenarbeit

Beirat für nachhaltiges Verwaltungshandeln

Die Hansestadt Bremen blickt auf zahlreiche Meilensteine in der Stärkung des fairen Handels und der fairen Beschaffung zurück. Den Auftakt des Engagements bildete 2008 eine Fachtagung mit dem Titel „Öffentlichen Einkauf aktiv gestalten“. Als ein Ergebnis der Veranstaltung wurde der „Beirat für sozial und ökologisch verantwortungsvolles Verwaltungshandeln“ gegründet, um die praktische Umsetzung durch kontinuierliche Beratung seitens der Verwaltung und Experten aus Initiativen, Umweltorganisationen, Wissenschaft und der Angestelltenkammer sicherzustellen.

Hauptstadt des fairen Handels, Kompetenzstelle für sozial verantwortliche Beschaffung und gesetzliche Verankerung

Ein weiterer Meilenstein war 2011 die Auszeichnung als „Hauptstadt des Fairen Handels“ im bundesweiten Wettbewerb, der alle zwei Jahre von der SKEW veranstaltet wird. Durch die Einrichtung einer Kompetenzstelle für sozial verantwortliche öffentliche Beschaffung im Jahr 2016 konnte die konsequente Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten in den zentralen Ausschreibungsverfahren der Stadt strategisch vorangetrieben werden. Im Tariftreue- und Vergabegesetz hat sich Bremen als Stadtstaat zu sozial verantwortlicher Beschaffung bekannt. Die ergänzende Kernarbeitsnormenverordnung sieht vor, dass sensible Produkte wie beispielsweise Textilien und Spielwaren unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt sein müssen.

Im Sommer 2018 startete Bremen ein Projekt zur „Weiterentwicklung der sozial verantwortlichen und ökologischen Beschaffung der Freien Hansestadt Bremen“. Gefördert wurde es durch Engagement Global mit ihrer SKEW aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Bürgermeisterin Karoline Linnert betont: „Wir wollen erreichen, dass innerhalb der bremischen Verwaltung flächendeckend nach sozialen und ökologischen Kriterien beschafft wird. Ich freue mich, dass wir mit dem aktuellen Projekt dabei weiter vorankommen.“

Erfolgsfaktor Dialogformate

Um die faire Beschaffung des Einkaufs- und Vergabezentrums zu stärken, organisiert Bremen zur Vorbereitung von Ausschreibungen partizipative Formate wie Bieterdialoge und Nutzerworkshops für verschiedene Produktgruppen.

Bieterdialoge unterstützen die Stadtverwaltung dabei, realistisch einzuschätzen, welche Anforderungen sie bei ihren Ausschreibungen mit Blick auf das Marktangebot stellen kann. Gleichzeitig erfahren Produzenten und Händler, wie sie den wachsenden Ansprüchen der Bremer Stadtverwaltung gerecht werden können.

Die Durchführung von Nutzerworkshops hat in Bremen dazu geführt, Akzeptanz und Transparenz bei den Mitarbeitenden zu schaffen. Im Fokus der sozial verantwortlichen Beschaffung standen dabei bislang insbesondere die Produktgruppen Arbeitsschutzbekleidung, Spielwaren, Sportgeräte, Werbeartikel und Bewirtungsmittel. Darunter befinden sich auch Produkte wie Arbeitsschuhe oder Spielzeug, bei denen wenige oder keine Gütezeichen und andere unabhängige Nachweissysteme vorhanden sind, wodurch die Ausschreibungen und deren Vorbereitung eine Pionierarbeit darstellen.

Seit Anfang 2020 verfolgt das Nachfolgeprojekt „Bremen handelt fair – lokal und global vernetzt“ das Ziel, die bisher gesammelten Erfahrungen und Ergebnisse der fairen Beschaffung mit Beschäftigten der Kommune und Partnern auf regionaler und internationaler Ebene zu teilen. Geplant ist hierbei auch die Vernetzung mit Kommunen in der Region zu einer möglichen Anbahnung von Einkaufskooperationen für die Beschaffung sozial verantwortlich hergestellter Produkte.

Weitere Informationen

Weitere Beispiele von Kommunen zum Thema „faire Beschaffung“ finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.

Autor: WEKA-Redaktion


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