Fortbildung in der Verwaltung: 9 Tools fürs digitale Lernen

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In den kommenden Jahren wird, auch befördert durch die Corona-Krise, das digitale Lernen einen erheblichen Bedeutungszuwachs für die Fortbildung in der Verwaltung erlangen. Welche Formate erscheinen heute für das organisationale Lernen im digitalen Zeitalter als vielversprechend? Experten sind sich einig: Es sind die Formate, bei denen Austausch, Diskurs, Voneinanderlernen, Aktivierung und Selbstverantwortung im Vordergrund stehen! Der „Learning Community“ (CLC) zufolge sollten Weiterbildungsprofis (in Unternehmen) vor allem auf diese neun Tools setzen:

Inhalt

  1. Podcasts
  2. Erklärvideos
  3. Barcamps
  4. Peer-to-Peer-Lernen
  5. Enterprise Social Network (ESN)
  6. Working Out Loud (WOL)
  7. Coaching
  8. Mentoring und Reverse-Mentoring
  9. Communities of Practice (CoP)

1. Podcasts

Podcasts sind digital verfügbare Audiodateien, die „on demand“ genutzt werden können und es so möglich machen, zwanglos Wissen zu teilen, etwa durch Experteninterviews, Erfahrungsberichte, Diskussionen. Ein relativ unaufwendiges Lerntool – sowohl für Wissensanbieter als auch für Wissenskonsumenten.

2. Erklärvideos

Erklärvideos etablieren sich neben Präsenztrainings immer mehr als zukunftsweisender Wissensaufbau „on demand“. Vor allem die neue Generation der Mitarbeiter erwartet sofort und online die Antwort auf Fragen und Herausforderungen, die im Job auftauchen. „Performance Support“ lautet das Schlagwort. Gemeint ist ein System, das Mitarbeitern jederzeit hochwertigen Wissens-Input zur Verfügung stellt und sie damit bei ihrer Arbeitsleistung unterstützt.

Voraussetzung dafür sind didaktisch aufgebaute und für das Selbstlernen optimierte digitale Schulungsmedien. Sowohl in Bezug auf die Akzeptanz der Lernenden als auch auf die Nachhaltigkeit des Wissensaufbaus (Behaltensleistung) schneiden multimediale Schulungsmedien in der Form von Videotrainings besonders gut ab.

Erklärvideos zu ausgewählten Themen können Verwaltungen bei einer mittlerweile großen Zahl externer Anbieter in Auftrag geben. Hier spielt natürlich der Kostenfaktor eine Rolle. Mit vergleichsweise wenig Aufwand können Verwaltungen aber auch selbst solche Videos für ihre Mitarbeiter produzieren.

3. Barcamps

Barcamps sind Konferenzen ohne feste Agenda. Eine Art „Unkonferenz“, in der sich die Teilnehmenden aktiv mit eigenen Themen einbringen und so zu aktiven Gestaltern werden. Die Agenda entsteht spontan vor Ort. Ziel ist es, sich zu einem übergreifenden Thema selbstorganisiert auszutauschen und voneinander zu lernen. Menschen wissen meist selbst am besten, welches Wissen sie brauchen und welche Expertise sie anbieten können.

4. Peer-to-Peer-Lernen

Menschen, die ein gemeinsames Lerninteresse haben, finden sich in einer Gruppe zusammen, um auf Augenhöhe Wissen zu teilen und gemeinsam Neues zu entdecken. Gemeinsam lernen ist effizienter – und oft ist das gesuchte Wissen schon beim Kollegen vorhanden.

5. Enterprise Social Network (ESN)

Unternehmensinterne soziale Netzwerke liefern die Infrastruktur für den Austausch. Hier können Inhalte z.B. als Blog gepostet, als Podcast hochgeladen oder als Leseempfehlung geteilt werden. In Gruppen oder Communitys lassen sich einzelne Themen gemeinsam vorantreiben. Hier lässt sich Wissen teilen, und es ist möglich, auch das eigene Profil zu schärfen und Expertise zu entdecken.

6. Working Out Loud (WOL)

Das Selbstlernprogramm WOL vermittelt, wie man eigenes Wissen teilt und Zugang zu relevantem Wissen findet. Es hilft vor allem weniger digitalaffinen Menschen dabei, z.B. einen guten Einstieg in das Enterprise Social Network (ESN) zu finden. WOL hat eine feste Struktur, die Lernenden den Einstieg in die selbstorganisierte Weiterentwicklung erleichtert.

Achtung! Die Einführung eines Enterprise Social Network ist mit dem klaren Bekenntnis zu einem kulturellen Wandel in der Kommunikation verbunden. Das ESN steht für ein partizipatives, transparentes und horizontales Kommunikationsmedium und baut auf diesem Ansatz auf. Man sollte sich darüber bewusst sein, dass es deshalb die etablierten und gewohnten Kommunikationsbarrieren in der Verwaltungshierarchie aufbricht.

7. Coaching

In strukturierten Gesprächen werden Probleme und Herausforderungen bearbeitet. Statt Ratschläge zu liefern, unterstützt der Coach bei der Entwicklung eigener Lösungen.
Vorteil: Die berufliche und persönliche Entwicklung lässt sich individuell begleiten und zielgerecht fördern.

8. Mentoring und Reverse-Mentoring

Ein Mentor, meist ein erfahrener Kollege in der Verwaltung, gibt über längere Zeit regelmäßig fachliches Wissen und eigene Erfahrungen an in der Organisation noch unerfahrenere Personen (Mentee) weiter. Beim Reverse-Mentoring übernimmt die jüngere, weniger erfahrene Person die Position des Mentors für ein bestimmtes Fachgebiet (z.B. Digitalkompetenz), in dem sie sich gut auskennt. Wissensaustausch plus Vernetzung über Hierarchie-, Abteilungs- und Generationengrenzen hinweg sind die großen Vorteile.

9. Communities of Practice (CoP)

Zu einer solchen schließen sich Personen zusammen, die ähnliche Aufgaben (z.B. die Einführung einer neuen Software) haben und bei ihrer Bewältigung voneinander lernen möchten. Der Austausch ist selbstorganisiert, neue Erkenntnisse werden direkt geteilt.
Vorteil: Nicht jeder muss das Rad alleine neu erfinden.

Weitere Informationen zum Thema lernende Verwaltung finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.

Autor: Stefan Scholer
(Arbeitet als Trainer und Coach sowie als Autor von Fachbeiträgen im Themenfeld Führungskompetenz und neue Lernformen. Hauptberuflich leitet er die Aus- und Fortbildung der Landeshauptstadt München.)


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