Frauen in der Kommunalpolitik: Hürden abbauen, Interesse wecken

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So mancher Kommunalpolitiker könnte verzweifeln: Da soll „Mann/Frau“ mehr Frauen für die Kommunalpolitik gewinnen, doch es finden sich keine Kandidatinnen. Das hat nur zum Teil mit dem häufigen „Platzhirschgehabe“ im männerdominierten Politikbetrieb zu tun, der Frauen nicht selten abschreckt. Weit mehr ist es ein Problem der zeitlichen Doppelbelastung durch Familie und Beruf, der sich vor allem junge Frauen gegenübersehen. Wir zeigen, wie Sie bei der Suche nach politisch interessierten Frauen mit Mitwirkungswillen die Rahmenbedingungen für deren Einstieg verbessern.

Inhaltsverzeichnis
Wer hatte bereits Berührung mit der Kommunalpolitik?
Kontakte zu Wegbegleitern aufbauen
Die Neuen gleich intensiv einbeziehen
Vermeiden Sie eine Rollenzuweisung
Ermuntern Sie zu intensiver fachlicher Einarbeitung
Auch auf Migrantinnen zugehen

Wer hatte bereits Berührung mit der Kommunalpolitik?

Gerade Frauen, die über eine spontane, anlassbezogene Beteiligung schon Berührung mit der Kommunalpolitik hatten, sollten Sie bei der Kandidatinnensuche oben auf Ihre Liste setzen. Das Gleiche gilt für Frauen, die sich in Vereinen oder Institutionen für das Wohl anderer einsetzen oder sich sonst gesellschaftlich engagieren. Ermuntern Sie sie, an den öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats teilzunehmen und laden Sie sie auch in Ihre Fraktionssitzungen ein.

Auf diese Weise können sich Frauen ein besseres Bild von der Aufgabe eines Ratsmitglieds und den in der Kommunalpolitik behandelten Themen machen. Vielleicht findet durch diesen unmittelbaren Kontakt mit der Politik die eine oder andere kommunalpolitisch Interessierte Gefallen, sich hier einzubringen.

Kontakte zu Wegbegleitern aufbauen

Über das Reinschnuppern lernen die Neulinge auch Vertreter und Vertreterinnen der Parteien und Wählervereinigungen kennen, die sie auf ihrem Weg in die Kommunalpolitik begleiten und unterstützen wollen. Es werden Berührungsängste abgebaut und ganz nebenbei trainiert, wie man sich als angehende Mandatsträgerin sicher auf dem politischen Parkett bewegt.

Die Neuen gleich intensiv einbeziehen

Beziehen Sie Ihre neuen Kandidatinnen unmittelbar in die Teamarbeit und das Netzwerken ein . „Trockenübungen“ über Monate hinweg und theoretische Diskurse über die politischen Gestaltungsmöglichkeiten sind langweilig. Das schreckt Neulinge ab. Sehen Sie die neuen Sichten und Impulse als wertvoll für Ihre Fraktion an und vermeiden Sie alles, was der angehenden Nachwuchspolitikerin den Eindruck vermitteln kann, sie müsste bei den Politprofis erst einmal in die Lehre gehen, bevor ihre Vorschläge ernst genommen werden. Mit der typisch männlichen Arbeits- und Diskussionskultur und „Platzhirschgehabe“ in der Fraktion werden Sie potenzielle Mandatsträgerinnen nicht auf Dauer gewinnen können.

Vermeiden Sie eine Rollenzuweisung

Es gibt viele Bereiche, in die sich Frauen in der Kommunalpolitik einbringen können – weit außerhalb auch der Felder Soziales, Kultur oder Schule, die ja gern als frauenspezifische „Äcker“ betrachtet werden. Vermeiden Sie also strikt eine Rollenzuweisung. Finden Sie vielmehr in Gesprächen die ganze Bandbreite der kommunalen Themen heraus, wo die jeweiligen persönlichen Neigungen liegen.

Der Planungsexperte in Ihrer Fraktion mag eine Konkurrenz darin sehen, wenn plötzlich neben ihm eine „Fachfrau“ für Bauwesen und Stadtplanung zu wachsen beginnt. Ermuntern Sie ihn zu einem Perspektivwechsel: Die Fraktion hat die Chance, künftig mit zwei kundigen Mitgliedern in diesem Bereich ihre besondere Kompetenz in allen Fragen des zentralen kommunalen Themas Städtebau unter Beweis zu stellen.

Ermuntern Sie zu intensiver fachlicher Einarbeitung

Umgekehrt müssen Sie dem politischen Neuling auch unbedingt zumuten, sich fachlich angemessen tief in die aktuell diskutierten Themen einzuarbeiten. Stellen Sie alle relevanten Sitzungsunterlagen sowie die Presseberichte über die bisherigen Diskussionen und Entscheidungen zur Verfügung. Fordern Sie zum „Aktenstudium“ auf und erläutern Sie Hintergründe, Zusammenhänge und gesetzliche Vorgaben. Fragen Sie die persönliche Sicht Ihrer angehenden Ratsfrau zum jeweiligen Thema ab und diskutieren Sie mit Ihr über die Haltung Ihrer eigenen Fraktion dazu. Das macht „die Neue“ nicht nur bald fit für den politischen Parcours – Sie selbst und Ihre Fraktion finden auf diese Weise sehr schnell heraus, ob man in den politischen Haltungen zueinanderpasst.

Auch auf Migrantinnen zugehen

„Wir finden ja kaum unter den Einheimischen Frauen, die sich kommunalpolitisch engagieren wollen, warum sollten wir da Zuwanderer ansprechen?“ – Das kann kein Argument sein, es nicht wenigstens zu versuchen. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass unsere Gesellschaft auf beiden Seiten – Einheimischen wie Migranten – Menschen braucht, die Integration gestalten. Und es gibt sie, die Migrantinnen, die zum Gelingen der Demokratie und der Zivilgesellschaft beitragen wollen, und zwar auf dem Fundament wichtiger Werte unserer Gesellschaft: Akzeptanz, Toleranz und Miteinander. Eine von ihnen ist die Schweinfurter Bündnis 90/Die Grünen-Kommunalpolitikerin Ayfer Fuchs, berufstätige Mutter zweier Kinder. Sie setzt sich in ihrer Stadt für Menschen mit Migrationshintergrund ein und lebt Integration vor. Fuchs wurde für den Helene-Weber-Preis 2015 vorgeschlagen, eine Auszeichnung für herausragende Kommunalpolitikerinnen.

Hinweis: Den vollständigen Artikel zum Thema „Frauen in der Kommunalpolitik“ finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.

Autor: Wolfram Markus (Chefredakteur des kommunalen Fachmagazins „der gemeinderat“ (www.treffpunkt-kommune.de) und Herausgeber des Handbuchs „Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik“)


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