Neue Konsumkultur: Warum Kommunen das Teilen unterstützen sollten

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Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft – mit negativen Folgen für Natur und Umwelt, aber auch für das soziale Zusammenleben. Nicht nachhaltige Produktionsweisen und gedankenloser Konsum tragen erheblich zu den Armuts- und Umweltproblemen in anderen Ländern bei, die wiederum vielfach Ursachen für Migration in Richtung der wohlhabenden Staaten sind. Eine neue Konsumkultur in Kommunen und ein bewusster Umgang mit Gütern des täglichen Bedarfs, die den Gedanken des Nutzens statt Besitzens in den Vordergrund stellt, könnte einen Wandel bewirken.

Konsumkultur Kommunen
Ökologisch, wirtschaftlich, sozial – So könnte die Konsumkultur in Kommunen aussehen, wenn ein Umdenken stattfindet. (© WEKA-Redaktion)

Inhalt

„Heilender“ Charakter der neuen Konsumkultur

Ressourcen schonen und Achtsamkeit

In seiner grundlegenden Form hat die kollaborative Konsumwelt einen „heilenden“ Charakter. Sie bewirkt einerseits die Schonung wertvoller Ressourcen, wenn Güter nicht als Wegwerfartikel produziert und gebraucht werden. Andererseits führt sie zu Achtsamkeit des Einzelnen bezogen auf Natur, Umwelt sowie Mitmenschen. Denn: Wer tauscht, leiht, hergibt, erhält neue, oft überraschende Einblicke in das Leben und die Bedürfnisse anderer.

Hilfe für Einkommensschwache

Der Nutzer solcher Dienste wird, soweit es um die Befriedigung materieller Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Hilfen im und für den Alltag oder individuelle Mobilität geht, die aufgrund eines niedrigen Einkommens bisher womöglich nur schwer zugänglich waren, eine Chance der besseren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erhalten. In gesellschaftlicher Hinsicht verbindet sich damit die Hoffnung, einer durch wachsende Bildungs- und Einkommensunterschiede beförderten Abgrenzung sozialer Gruppen voneinander zu begegnen und eine Spaltung unseres Landes zu verhindern.

Hinzu kommt, dass viele Menschen aus einkommensschwachen Schichten, die dank Verschenkbörsen oder ehrenamtlicher Reparaturhilfen nicht ganz vom Wohlstand abgehängt sind, ihrerseits durch Engagement in Ehrenamtsprojekten etwas Wertvolles zu schenken bereit sind: Zeit zur Mithilfe in sozialen Initiativen und Empathie für andere, denen es womöglich noch schlechter geht. Was, wenn nicht das, hält Gemeinschaft in den Kommunen zusammen?

Gemeinsam konsumieren fördert sozialen Austausch

Außerdem fördert die gemeinsame Nutzung von Produkten, die Nachbarschaftshilfe etwa bei der Instandsetzung defekter Haushaltsgeräte oder das Hergeben überflüssig gewordener Bekleidung oder von Spielzeug den sozialen Austausch über allgemeine, spezielle sowie private Themen. Dahinter steht, dass Konsumenten, auch die der kollaborativen Nutzungsidee, immer auch auf der Suche nach Verbindungen zu anderen und der Zugehörigkeit zu Gemeinschaften sind.

Um dies zu erkennen, muss man sich einmal bewusst machen, wie oft Shopping heute als Gemeinschaftserlebnis zelebriert wird. Darüber hinaus bewirkt die nachhaltige und auf Nutzen statt Besitzen ausgerichtete Konsumkultur in Kommunen einen Gewinn an wertvoller Erkenntnis – über die Wegwerfmentalität und ihre Folgen für Umwelt und Natur, über bisher „fremde“ soziale Gruppen im eigenen Wohnquartier und der Heimatstadt und letztlich über sich selbst.

  • Wie sehr belaste ich mein eigenes Leben durch unnötigen Besitz?
  • In welchem Maße trage ich durch unreflektiertes Konsumverhalten zur Zerstörung der Natur bei?
  • Wie verbunden bin ich mit Menschen, die viel weniger haben als ich und die sich aus Scham über ihre Armut in eine selbst gewählte Isolation begeben?
  • Gebe ich etwas von meinem Wohlstand ab, um einen Beitrag zu einer Welt mit einer gerechteren Verteilung von Besitz zu leisten?

Produktabbildung Verwaltungsmanagement KommunalpolitikWeiteren Infos zum Thema Konsumkultur in Kommunen finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.


Neue Konsumkultur dient dem Wohl der Kommunen

Bezogen auf den neuen Ansatz der Konsumgesellschaft bedeutet das alles, dass Kommunen zum einen die Chance haben, bestehende lokalpolitische Ansätze einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung zu fördern und zu verstärken. Und zum anderen bringt das die unterschiedlichen Gruppen der Stadtgesellschaft wieder näher zusammen.

Keine kommerziellen Dienste

Das wird aber nur dann gelingen, wenn die Kultur des Teilens und Hergebens nicht (ausschließlich) den kommerzialisierten Diensten überlassen wird. Vielmehr muss es darum gehen, als Kommune zunächst die Gründung und Entwicklung lokaler nicht kommerzieller, idealistischer Initiativen zu unterstützen, deren Tun sich auf einen Konsumansatz ausrichtet, der allen Menschen einen angemessenen Wohlstand und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verspricht.

Dem städtischen Wohl weniger förderlich sind dagegen Tausch- und Teilansätze, die von kommerziellen Vermittlern befeuert werden und die etwa mit dem Tausch von Wohnungen oder dem Teilen von Autos neuen, zusätzlichen Konsum erzeugen. Grundsätzlich sollten die Handelnden in Politik und Verwaltung den Teil- und Tauschinitiativen vor Ort, die vielfältige soziale, sozialökonomische und ökologische Leistungen erbringen, Wertschätzung erweisen und diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen.

Kommunen als Partner ehrenamtlicher Projekte

Die Kommune sollte ehrenamtlichen Teil- und Tauschinitiativen und Projekten wie Repair-Cafés oder Urban Gardening ein zuvorkommender, verlässlicher Partner sein. Denn die hinter diesen Aktivitäten stehenden Organisationen und Menschen helfen ihr, wichtige soziale Funktionen zu erfüllen. Unterstützung sollte dabei zum Ziel haben, dauerhaft Voraussetzungen für einen breiten Erfolg der Initiativen zu schaffen. Dazu gehört mindestens auch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit.

Autor: Wolfram Markus (Chefredakteur des kommunalen Fachmagazins „der gemeinderat“ (www.treffpunkt-kommune.de) und Herausgeber des Handbuchs „Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik“)


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