Gegen Lichtverschmutzung in Kommunen

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Die Belange von Lichtverschmutzung und Schutz der Nacht reichen weit über den Naturschutz hinaus und berühren vielfältige Interessen auch der Astronomie, des Klimaschutzes, der Beleuchtungstechnik ebenso wie des Tourismus und der Stadtgestaltung. Handlungsmöglichkeiten sind gegeben, und es bestehen große Potenziale, bereits mit vergleichsweise einfachen Möglichkeiten negative Auswirkungen von Beleuchtung auf Menschen, Tiere sowie Pflanzen zu reduzieren und zum Klimaschutz beizutragen. Mit der „richtigen“ Anordnung von Straßenleuchten und einer bewussten Wahl hinsichtlich des Lichtspektrums der Leuchtmittel lässt sich einiges zum Guten wenden.

Inhalt

Lichtlenkung
Lichtmenge
Lichtfarbe

Lichtlenkung

Die Fläche, nicht den Himmel beleuchten

Fehlgelenktes Licht stellt oft eine Belästigung und Gefahrenquelle dar und erhöht die Spiegelwirkung auf nassem Untergrund. Es sollten daher nur Leuchten eingesetzt werden, die das Licht möglichst effizient auf die zu beleuchtende Fläche lenken. Insbesondere solche, die kein Licht in den oberen Halbraum abgeben, sind zu wählen (mit ULR, Upward light ratio = 0 % und Lichtstärkeklasse G6, also stark abgeschirmt zur Blendungsvermeidung). Auch entlang von Fußwegen, an Treppen und Eingängen sollten nur Leuchten installiert werden, die nach unten strahlen (sog. Downlights oder Full cut off).

Blendungen vermeiden

An der Wand montierte Neonröhren sind zu vermeiden. Werden Halogenstrahler eingesetzt, sind diese horizontal zu montieren und so auszurichten, dass sie weit nach unten und in die Fläche strahlen. Neben der Vermeidung von Blendung hat dies noch den positiven Effekt, dass eine geringere Anschlussleistung nötig ist, um die Bereiche auszuleuchten, auf die es tatsächlich ankommt. So lassen sich in erheblichem Maß Stromkosten einsparen.

Auch Parkplätze und Hofflächen sollten gut ausgerichtet und nur innerhalb der Nutzfläche beleuchtet werden. Zu vermeiden sind Installationen wie Lichtkugeln oder Bodenstrahler, da sie Licht nicht zielgerichtet abgeben. Werden Bäume oder Büsche angestrahlt, zieht dies Insekten an und stört den Nachtrhythmus von Mensch, Tier und Pflanzen.

Lichtverschmutzung
Schädliche und umweltfreundliche Lichtnutzung im öffentlichen Raum. (Quelle: Sternenpark Schwäbisch Alb)

Lichtmenge

Lichtstress und Ablenkung für die Augen vermeiden

Die installierte Lichtleistung sollte möglichst gering gewählt werden. Für private oder gewerbliche Anwendung reichen Lichtmengen unter 500 Lumen (lm) pro Lichtpunkt. Weniger Licht verursacht weniger Lichtstress und Ablenkung für die Augen und ermöglicht so eine bessere Dunkeladaption des Auges („Umschalten“ von Sehen im Hellen auf Sehen im Dunklen) sowie weniger Spiegelung auf nassem Untergrund.

Bedarfsorientiert beleuchten

Insbesondere sollte auch eine bedarfsorientierte Anpassung in den späten Abend- und den Nachtstunden vorgesehen werden, beispielsweise durch Abschalten der Beleuchtung, Zeitschaltungen und Bewegungsmelder oder mindestens ein Absenken des Beleuchtungsniveaus. Helligkeitsunterschiede von 50 % nimmt das menschliche Auge nicht wahr, wenn kein unmittelbarer Vergleich vorliegt. Die Möglichkeit, die Helligkeit der Beleuchtung um die Hälfte zu reduzieren, ist bei guten Herstellern inzwischen Standard und erhöht die Lebensdauer der LEDs. Beim Stromverbrauch und der Reduzierung der CO2-Emissionen liegen hier die höchsten Einsparpotenziale!

Nicht mehr Licht als die Norm verlangt

Im Bereich der öffentlichen und gewerblichen Beleuchtung (z.B. Parkplätze, Straßen) sollte die niedrigste mögliche Beleuchtungsklasse gewählt werden, falls nach DIN/EN 13201 beleuchtet werden soll. Eine rechtliche Verpflichtung zur Erfüllung der Straßenbeleuchtungsnorm EN 13201 besteht nur an Fußgängerüberwegen.

Lichtfarbe: Geringe Blauanteile

Um Blendung zu vermeiden und das nächtliche Sehen (Dunkeladaption) zu unterstützen, sollten nur warmweiße Lichtquellen mit geringen Blauanteilen im Spektrum von 2.000 bis maximal 3.000 Kelvin Farbtemperatur eingesetzt werden. Als besonders empfehlenswert haben sich in der jüngeren Praxis LED-Modelle erwiesen, die vor allem langwelliges, gelb-oranges Licht abstrahlen, aber eine höhere Farbwiedergabe aufweisen als die ebenfalls umweltfreundlichen Natrium-Hochdruckdampflampen.

Solche „Amber“-LED-Leuchten unterstützen das bessere Sehen in der Nacht und wirken zudem weniger negativ auf die menschliche Gesundheit und die Tier- und Pflanzenwelt als LED-Leuchtmittel mit kaltweißer Lichtfarbe und hohem Blauanteil. Warmweißes oder gelbliches Licht zieht deutlich weniger Insekten an und wird in der Atmosphäre weniger stark gestreut. Es reduziert daher die Lichtglocken über den Städten. Sie sind zudem ein guter Ersatz für das weit verbreitete orangefarbene Licht der Natrium-Hochdruckdampfleuchte.

Weitere Informationen und Empfehlungen

Autor: WEKA-Redaktion


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