Seniorengrechte Mobilität in Wolfenbüttel

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Gute Ideen für Mobilität im ländlichen Raum, die besonders auf die Bedürfnisse der Senioren zugeschnitten sind, gibt es in Deutschland viele. Allerdings scheitert die Umsetzung bzw. die dauerhafte Aufrechterhaltung der entwickelten Angebote oft an der fehlenden Zeit und knappen Geldressourcen. Hinzu kommt, dass erforderliches Know-how nur begrenzt vorhanden ist und gelungene Beispiele, von denen man lernen könnte, nicht bekannt sind.

Projekt AUNO DOMO: Nicht nur für die Mobilität von Senioren in Wolfenbüttel

Diese Hürden überspringen helfen will das Projekt „Autonome Dorfmobilität“ (Projektkurztitel: AUNO DOMO) in der Region Wolfenbüttel (Niedersachsen). Mit professioneller Unterstützung sollen in 15 Dörfern individuelle Mobilitätslösungen für die Bewohner entwickelt werden. „In jedem Dorf sind die Verhältnisse anders. Unser Ansatz ist es, gemeinsam passgenau Abhilfe zu schaffen, wo jeweils vor Ort der Schuh drückt“, so Sabine Neef, Verkehrswissenschaftlerin und Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens MerkWATT (Braunschweig), das das Projekt initiiert hat und umsetzt. „In einem Dorf mag es um die Verbindung zu einem ganz bestimmten, schwer erreichbaren Ziel gehen, im nächsten um den Aufbau von Fahrgemeinschaften unter Nutzung der digitalen Kommunikation, im dritten um E-Car-Sharing.“

Mobilität Senioren Wolfenbüttel
Mittlerweile haben sich die ursprünglich acht teilnehmenden Dörfer ausgeweitet und in drei Dorfregionen mit aktuell 15 Dörfern organisiert. (Screenshot WEKA-Redaktion)

Für eine bessere Lebensqualität

Die Berater begleiten nicht nur den Prozess zur Entwicklung spezifischer Konzepte, sondern prüfen auch, inwieweit Fördergelder beantragt werden können. Das Projekt finanzieren in erheblichem Maße die „Stiftung Zukunftsfonds Asse“ und das Land Niedersachsen. Auch der Landkreis Wolfenbüttel engagiert sich in dem Vorhaben, denn man erhofft sich eine Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum. „Das Projekt AUNO DOMO ist eine gute Ergänzung unserer Arbeit für einen besseren öffentlichen Nahverkehr, die Elektromobilität und den Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur“, sagt Landrätin Christiana Steinbrügge. Der für Nahverkehr zuständige Regionalverband arbeitet in der Lenkungsgruppe des Projekts mit. Wilhelm Kloß, ÖPNV-Planer beim Verband: „Wir erhoffen uns von AUNO DOMO nicht zuletzt intelligente Verknüpfungen der Verkehrsträger unter Einschluss des ÖPNV.“

Vom Gemeindebus bis zum Fahrzeugteilpool

Für eine verbesserte Mobilität von Senioren plant die Region Wolfenbüttel folgende Elemente:

  • Gemeinde-/Dorfbusse:
    Öffentliche, flächenbezogene Kleinbusse, die nicht dem Personenbeförderungsgesetz unterliegen, also keinen Linienverkehr bieten und ohne Gewinnerzielungsabsicht fahren
  • Mitfahrbanksystem:
    Niedrigschwelliges Angebot für Mitnehmverkehre zu nahen Zielen oder Verknüpfungspunkten des ÖPNV bzw. Schienenpersonennahverkehrs (SPNV)
  • Falträdermitnahme in Bussen und Bahnen:
    Können für die „erste und letzte Meile“ der ÖPNV/SPNV-Nutzung kostenfrei in Bussen und Bahnen mitgenommen werden. Zunächst stellt man die Räder zum Testen zur Verfügung, und nimmt sie dann ggf. auch in einem Verleih-/Teilpool auf.
  • Fahrzeugteilpool:
    Sharing-System mit Pkw sowie Anhängern und einem Fahrradmix bestehend aus E-Bikes, Falträdern und Lastenrädern

Mobilität nicht nur für Senioren in Wolfenbüttel dauerhaft aufbauen

AUNO DOMO verfolgt das Ziel, in Dörfern dauerhaft „Mobilität für alle“ aufzubauen. Dazu sollen öffentliche Verkehre mit einem privaten, dorfgemeinschaftlichen Teil-, Mitnehm- und Mitbringsystem kombiniert werden. Einbezogen werden dafür bereits vorhandene, jedoch un- oder untergenutzte Fahrzeug-, Beförderungs- und Transportkapazitäten aus öffentlichem, halb öffentlichem wie auch privatem Eigentum entsprechend dem Prinzip des „Ressourcensharings“.

Mehr Informationen: www.facebook.com/aunodomo und www.auno-domo.de

Autor: Wolfram Markus


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