Senioren: Warum Mobilität im Alter wichtig ist

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Die meisten Senioren wollen viel länger selbstständig wohnen und am sozialen Leben teilhaben als frühere Generationen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Mobilität. Sie ist ein Grundbedürfnis des Menschen und ohne sie sind Selbstversorgung sowie das Zusammentreffen mit anderen Menschen nur eingeschränkt möglich. Aber wie einfach ist es für sie, ihre Einkäufe zu erledigen, Arztbesuche vorzunehmen oder Behördengänge zu absolvieren?

Mobilität bedeutet Lebensqualität für Senioren

Bei Senioren stellt die Mobilität einen wesentlichen Faktor für die Lebensqualität dar. Ohne beispielsweise den regelmäßigen Einkauf und die damit einhergehenden Kontaktmöglichkeiten wachsen Isolation und Einsamkeit, Ansprechpartner und soziale Bindungen gehen verloren. Denn nicht nur junge Menschen wollen die Auslagen der Geschäfte in der Stadt betrachten oder im Lebensmittelmarkt an frischem Obst schnuppern. Einkaufen gehen zu können, ist ein wichtiges soziales Element, bedeutet Kommunikation und Erfahrungsaustausch, heißt am öffentlichen Leben teilzuhaben.

Mobilitätsbarrieren

Allerdings stellen sich mit zunehmendem Alter Barrieren in den Weg, sodass sich ältere Menschen in das eigene häusliche Umfeld zurückziehen. Der Eintritt in die neue Lebensphase des „Alters“ ist häufig mit gesundheitlichen und psychischen Veränderungen verbunden, die zu einer Einschränkung der persönlichen Mobilität führen können. Dem eigenen fahrerischen Können wird nicht mehr vertraut, sodass der Privat-Pkw in der Garage bleibt. Eventuell zwingen Nebenwirkungen notwendig einzunehmender Medikamente dazu, die Hände vom Steuer zu lassen. Für Gehbehinderte kann die nächste Bushaltestelle zu weit entfernt sein, zumal dort Sitzgelegenheiten zum Verschnaufen oder gar ein Wetterschutz fehlen. Und wenn öffentliche Verkehrsmittel doch gut erreichbar sind, dann wird möglicherweise als Ersatz für andere Fahrzeuge ein Reisebus eingesetzt, den zu besteigen die fortgeschrittene Kniegelenksarthrose im Weg steht.

Fehlende Mobilität von Senioren hat Folgen…

… für die Wirtschaft

Ohne entsprechende Angebote, die den Mobilitätsverlust ausgleichen, bedeutet ein erzwungener Rückzug ins nähere Umfeld nicht nur einen Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben. Er hat auch wirtschaftliche Folgen. Viele ältere Menschen verfügen heutzutage über eine vergleichsweise hohe Kaufkraft und auch die finanziellen Mittel, um sich im Ruhestand, Ausflüge und Reisen gönnen zu können. Ziehen sie sich wegen eingeschränkter Mobilität ins Häusliche zurück, fallen sie als Kunden für den Einzelhandel aus und sind auch für den Tourismus keine Umsatzfaktoren.

… für die Gesellschaft

Was aber noch viel wichtiger ist: Eine Gesellschaft, die den nicht mobilen Senioren die Teilhabe am öffentlich Leben erschwert, verliert einen wertvollen Schatz: Lebenserfahrung und gesellschaftliches Engagement. Ob Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlingskinder an der Grundschule, Mitarbeit in Projekten der Integration ihrer Eltern, unterstützende Arbeiten im Sozialkaufhaus oder Mithilfe bei der „Tafel“ für Obdachlose und einkommensschwache Familien – was Senioren hier leisten können, lässt sich mit Geld nicht bezahlen. Denn es ist weit mehr als lediglich eine „Beschäftigung“ – ehrenamtliche Tätigkeit muss als wichtiges Element des gesellschaftlichen Zusammenhalts gesehen werden. Ganz abgesehen davon, dass für eine entgeltliche Beschäftigung im Bereich der Sozial- und Gemeinwesensarbeit den Kommunen meist die finanziellen Mittel fehlen.

Es steht daher vor dem Hintergrund dieser Überlegung die öffentliche Hand in der Verantwortung, bei sämtlichen Verkehrs- und Mobilitätsplanungen ganz besonders die Interessen von Menschen ab 60 Jahren zu berücksichtigen. Wie das gehen kann, zeigt das Beispiel Euskirchen.

Autor: Wolfram Markus

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