Nachhaltige Beschaffung in Kommunen

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„Kommunen können durch nachhaltige öffentliche Beschaffung einen großen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.“ (DStGB)

Mehrere Hundert Milliarden Euro geben deutsche Kommunen jedes Jahr für ihre öffentliche Beschaffung aus – ein enormer Wirtschaftsfaktor. Werden diese Aufträge unter dem Dach der Nachhaltigkeit getätigt, nehmen Kommunen also zusätzlich zur Wirtschaftlichkeit auch soziale und ökologische Anforderungen ins Kalkül, so leisten sie einen wesentlichen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung ihrer Gemeinde und sie kurbeln den Nachhaltigkeitsmarkt an. Dabei geht es sowohl um Produkte als auch um Dienstleistungen für die öffentliche Verwaltung.

Wirtschaftlich, sozial, ökologisch

Nachhaltige Beschaffung ist:

  • kostensparend
  • lösungsorientiert
  • umweltfreundlich
  • ressourceneffizient

Nachhaltige Beschaffung unterstützt:

  • soziale Gleichberechtigung
  • faire Arbeitsbedingungen
  • Innovationsfähigkeit kleiner und mittlerer Betriebe
  • Anpassungen an den Klimawandel

Siegel und Zertifikate

Mittlerweile gibt es eine extreme Bandbreite an Produkten, die der Nachhaltigkeit dienen. Viele davon sind auf den ersten Blick zu erkennen, weil sie eines der gängigen Prüfzeichen, Siegel oder Zertifikate tragen. Die Produktpalette reicht von Kaffee über Computer und Reinigungsmittel bis hin zu Naturstein, Arbeitskleidung und Holzartikel.

Manche Kommune schreckt davor zurück, die öffentliche Beschaffung nach Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit abzuwickeln, weil sie Mehrarbeit fürchtet. Um dem zu begegnen, haben sich etliche Websites etabliert, die den Kommunen die Recherchearbeit nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen erheblich erleichtern.

Internet-Tipps

  • Kompass Nachhaltigkeit: bietet einen Überblick über Siegel sowie Zertifikate und führt zudem Schritt für Schritt durch den Beschaffungsprozess www.kompass-nachhaltigkeit.de
  • Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums: Informiert über Gesetze, Regelungen, Leitfäden und Beispiele aus Bund, Ländern und Kommunen www.nachhaltige-beschaffung.info
  • Deutsche Städte- und Gemeindebund: www.dstgb.de, Stichwort „Nachhaltige Beschaffung“

Nachhaltigkeit messen

Wie soll das gehen? Inzwischen wurden dazu verschiedene Verfahren entwickelt und es gibt etliche Anbieter, die Kommunen auf dem Weg der Nachhaltigkeit unterstützen und Erfolge bewerten.

Exemplarisch sei hier der „Monitor Nachhaltige Kommune“ vorgestellt, den das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) und die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden entwickelt haben. Er soll Erfolge nachhaltigen Handelns in Kommunen sichtbar machen und dabei helfen, ein wirkungsorientiertes Nachhaltigkeitsmanagement aufzubauen. Der Monitor richtet sich an Städte und Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern. Mit einem Indikatorenkatalog im Baukastensystem können Kommunen ihren jeweiligen Entwicklungsstand bei der Nachhaltigkeit selbst einschätzen.

Weitere Informationen: www.bertelsmann-stiftung.de, Stichwort „Monitor Nachhaltige Kommune“

Schwierigkeiten von Kommunen beim Thema Nachhaltigkeit

Viele Kommunen haben beim Thema Nachhaltigkeit bereits einen guten Wissensstand. Sie können beispielsweise auf Erfahrungen mit der Lokalen Agenda 21 und mit dem lokalen Umweltmanagement zurückgreifen. Gleichzeitig ist vielerorts zu beobachten, dass einige typische strukturelle Probleme die nachhaltigen Aktivitäten der Kommunen hemmen. Zu ihnen gehören beispielsweise:

Problem Lösungsmöglichkeiten
Initiativen, Aktivitäten und Projekte zur kommunalen Nachhaltigkeit laufen häufig parallel – Verknüpfungen und Synergieeffekte gibt es aber nicht. Das betrifft sowohl Prozesse innerhalb der Verwaltung als auch in der Politik und in der Bürgerschaft. Eine koordinierende Stelle in der Verwaltung sorgt für eine bessere Vernetzung und dient gleichzeitig als fachliche Anlaufstelle für Fragen, Nöte und neue Initiativen. Der Austausch unterschiedlicher Akteure lässt sich mit einem regelmäßig tagenden Runden Tisch umsetzen. Sehr wichtig ist außerdem eine kontinuierliche Kommunikation über nachhaltige Projekte sowie alle damit zusammenhängenden Vorhaben, Schwierigkeiten und Möglichkeiten.
Kommunalpolitik, Verwaltungshandeln und Bürgerengagement ziehen nicht am selben Strang, sondern laufen in verschiedene Richtungen. Eine Bürgerbeteiligung kann hier viel bewirken. Kommunale Konzepte zur Nachhaltigkeit finden mehr Akzeptanz, wenn sie aus einer breiten Partizipation entstehen. Es lohnt, Bürger, Unternehmen und Initiativen von Anfang an in diesen Prozess einzubeziehen. Außerdem wichtig: Nachhaltigkeit zur Chefsache zu machen. Wenn der Rathauschef konsequent nachhaltige Entwicklung fördert, zieht er Verwaltung, Politik und Bürger mit.
Es fehlen langfristige Strategien zu mehr Nachhaltigkeit. Dann bedarf es eines größeren Prozesses zur Formulierung einer Nachhaltigkeitsstrategie, an der künftige Entscheidungen der Kommune ausgerichtet werden können. Das beinhaltet eine Bestandsaufnahme, die klare Definition von Zielen sowie am Ende einen entsprechenden Ratsbeschluss. Der Ausbau einer passenden Organisationsstruktur sollte parallel dazu verlaufen.

Tipps und Empfehlungen zum Thema „Nachhaltigkeit in Kommunen“ finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.

Autor: WEKA-Redaktion


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