Nachhaltige Stadtentwicklung: Eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung

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Eine nachhaltige Stadtentwicklung findet man dort, wo Verwaltung, Politik und Bürgerschaft die Kommune als Ganzes in den Fokus ihrer Überlegungen stellen, wenn es um Entscheidungen und Veränderungen geht. Damit wird deutlich: Nachhaltige Stadtentwicklung ist eine dauerhafte Gemeinschaftsaufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte.

Viele Anforderungen zeitgleich

Eine schwierige Aufgabe – müssen die Kommunen doch permanent zahlreiche Herausforderungen bewältigen. In ein und derselben Kommune und oft sogar im selben Stadtteil finden zeitgleich Wachstums- und Schrumpfungsprozesse statt. Dazu gehören die Auswirkungen des demografischen Wandels mit rückläufigen Bevölkerungszahlen in weiten Teilen Deutschlands sowie in anderen Teilen massiven Zuzügen in die großstädtischen Ballungszentren.

Stetig wachsende Mobilitätsansprüche stehen neben einer zunehmend globalisierten Wirtschaft. Ein steigender Energiebedarf soll gemeistert werden angesichts schwindender Ressourcen. Zugezogene, Asylsuchende, sozial Schwache müssen baulich und sozial in die Gemeinschaft integriert werden, auch wenn wenig Geld in der kommunalen Kasse ist – und das sind nur ein paar der zahllosen kommunalen Aufgaben.

Hat Planung Zukunft für die ganze Kommune?

Umso wichtiger ist es in der nachhaltigen Stadtentwicklung, bei allen Planungen und Maßnahmen die Kommune als Ganzes im Blick zu haben. Entscheidungen müssen auf ihre Zukunftsfähigkeit abgeklopft werden. Das betrifft die ganze Bandbreite der Handlungsfelder, zu denen Neubauten gehören, die Belebung von Wirtschaftsstandorten, das Einsparen von Ressourcen oder das Angebot von stadt-, umwelt- sowie sozialverträglichen Mobilitätskonzepten.

Was heißt das für Politik und Verwaltung? Es verlangt von ihnen vor allem ein fachübergreifendes Denken und Handeln. Alle Sachfragen sollten im räumlichen Gesamtkontext und vor dem Hintergrund der Säulen der Nachhaltigkeit betrachtet werden: Wirtschaft, Soziales, Umwelt sowie ggf. die Teilhabe an Entscheidungsprozessen.

Konkrete Anforderungen an eine nachhaltige Stadtentwicklung

  • gesunde Wohn– und Arbeitsverhältnisse für alle Bürger
  • gesicherte Grundversorgung
  • ausreichend viele gesicherte, sozialverträgliche Arbeitsplätze
  • Ermöglichung der Mobilität aller Bürger
  • gleichzeitig Reduzierung von Umweltbelastungen
  • Einkaufsmöglichkeiten am Ort
  • gute Bedingungen für die Wirtschaft
  • soziale und kulturelle Angebote für die Bürger
  • Sport, Freizeit und Regeneration
  • Reduzierung von Abfall
  • funktionierendes Recycling- und Abwassersystem
  • Reduzierung der Flächenversiegelung
  • Hochwasserschutz
  • Umweltschutz
  • Naturschutz
  • Landschaftspflege

„Morgenstadt“ des Fraunhofer-Instituts

Auch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) sieht die Städte als diejenigen Organismen an, die den Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft in ihren Händen halten – und zwar weltweit. Nach Auffassung des Instituts sind dafür technische, organisatorische und finanzielle Innovationen notwendig. Die betreffen sowohl die Organisation der Stadtsysteme selbst als auch wirtschaftlich interessante Geschäftsmodelle.

Um hier weiter zu forschen und spürbare Fortschritte zu erzielen, hat das Institut das Innovationsnetzwerk „Morgenstadt – City Insights“ gegründet. Dafür wurden 100 Best Practices für nachhaltige Stadtentwicklung untersucht. Im Ergebnis blieben 50 innovative Ideen für Einzelprojekte übrig, in denen Kommunen, Industrie und Forschung zusammenarbeiteten. Daraus entstehen soll zudem ein Instrument, mit dem Städte ihre Nachhaltigkeitsbemühungen in Zukunft analysieren können.

Auf der Website des Fraunhofer-Instituts finden sich Beispiele innovativer Städte, Projektbeschreibungen zur Reduktion von CO2 in Kommunen, neue Government-Formate für mehr Nachhaltigkeit und Forschungsergebnisse.

Weitere Informationen unter www.morgenstadt.de

Den vollständigen Artikel zum Thema „Nachhaltigkeit in Kommunen“ finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.

Autor: WEKA-Redaktion


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