Teilen, tauschen, schenken: 5 Formen der Sharing Economy in Kommunen

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Im Englischen bezeichnet man alternative Formen des Konsums als „Collaborative Consumption“, „Sharing“ bzw. „Sharing Economy“. Durch die deutschen Medien und Studien schwirren Begriffe wie kollektiver Konsum (kurz „KoKonsum“), „Nutzen statt Besitzen“ oder auch „geteilter Konsum“. Auch wenn die Begriffe nicht trennscharf sind, geht es um das Teilen, Tauschen, Mieten und Schenken von materiellen und immateriellen Ressourcen (Objekte, Raum, Zeit, Fähigkeiten und Erfahrungen) im Sinne eines auf (mehr) Nachhaltigkeit ausgerichteten Konsums.

Inhalt

Tausch- und Verschenkbörsen

Gebrauchtwarenläden

Öffentliche Bücherschränke

Reparaturinitiativen

Urban Gardening

Tausch- und Verschenkbörsen

Sozial motiviert

Nicht kommerzielle Tausch- und Verschenkmärkte werden häufig von kirchlichen und karitativen Trägern initiiert. Motivation ist hier, einkommensschwachen Schichten und Flüchtlingsfamilien Zugang zu Gütern zu ermöglichen, die diese im Neuzustand sich nicht ohne Weiteres leisten können. Ein Beispiel sind kommunale nicht gewerbliche Verschenkbörsen für gebrauchte oder auch neuwertige Bekleidung und Gebrauchstextilien oder für Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik.

Für die Kommune, die einen sozialen Versorgungsauftrag hat, sollten derartige Initiativen willkommen sein und eine entsprechende Unterstützung sollte gewährleistet werden. Das kann bei der Vorstellung der Tauschbörsen-Initiative auf der städtischen Homepage und dem Einstellen der Tauschtermine ebenfalls dort beginnen und bis zur unentgeltlichen Überlassung von Räumlichkeiten an den Tauschtagen oder von Lagerkapazitäten für gespendete Güter reichen.

Es kommt aber immer darauf an, dem Anbietenden das Geben so einfach wie möglich zu machen – indem man die Dinge bei ihm abholt oder er Annahmestellen findet, die für ihn günstig liegen. Auch hier gibt es für die Stadt- oder Gemeindeverwaltung Möglichkeiten der Unterstützung für die Tauschinitiativen.

Ökologisch motiviert

Tauschbörsen müssen übrigens nicht vornehmlich sozial motiviert sein, es kann auch der Gedanke des Umweltschutzes im Vordergrund stehen. Hier muss dann die Kommune als Träger abfallwirtschaftlicher Entsorgungsleistungen für Umweltschutzbelange vor Ort ein starkes Interesse daran haben, dass so wenig wie möglich gebrauchsfähige Güter und Geräte im Müll bzw. in den Wertstoffcontainern ihr Ende finden. So entstehen Orte für Wiederverwendung, an denen zugleich kreativ und mit Freude aktiv Abfall eingespart wird.

Dienstleistungen tauschen

Verschenken oder tauschen lassen sich nicht nur materielle Güter. Börsen, bei denen der ehrenamtlich erbrachte Deutschunterricht für Flüchtlingskinder gegen Hilfeleistungen im Haushalt oder kleine Reparaturleistungen gegen „Gassi gehen mit dem Hund“ getauscht werden, sind ebenso wertvoll für das gemeinschaftliche Leben in der Kommune und sollten von der Stadt- oder Gemeindeverwaltung mindestens kommunikativ unterstützt werden.

Gebrauchtwarenläden

Gut Erhaltenes fürs schmale Portemonnaie

Gebrauchtwarenläden bieten Güter des privaten Bedarfs zu günstigen Preisen an. Die Waren werden von Privatpersonen und Unternehmen gespendet, falls erforderlich instandgesetzt und „aufgemöbelt“ und gegen einen bezahlbaren Obolus an Interessierte abgegeben. Abhängig von Engagement und guter Vernetzung der Betreiber, bieten solche Läden in der Regel ein beachtliches Sortiment an unterschiedlichsten Gütern, können also für Einwohner mit schmalem Portemonnaie eine wichtige Quelle für den Kauf unverzichtbarer Güter sein. Das Angebot ist meist bunt gemischt und reicht von Spielsachen und Büchern, Bekleidung, Heimtextilien, Haushaltswaren und Möbeln bis hin zu Geräten der Unterhaltungselektronik.

Kommune kann auf verschiedene Weisen unterstützen

Aus dem Erlös der Verkäufe finanzieren die Initiativen ihre Arbeit, decken (wenigstens zum Teil) ihre Personal- und Betriebsausgaben (z.B. Raummieten, Fahrzeugkosten). Die Kommune kann die Arbeit der Gebrauchtwarenläden dadurch unterstützen, dass sie Räume zu geringen Pachtkosten oder unentgeltlich zur Verfügung stellt, Transportdienste durch den Bauhof übernehmen lässt oder sich an den Verwaltungskosten beteiligt (Kopierpapierspende, Übernahme von Telekommunikationskosten usw.).

Öffentliche Bücherschränke

Ausgelesene Bücher – zu schade fürs Altpapier

Ausgelesene Bücher wegzuwerfen, ist schade, sie können noch vielen Nachlesern Freude bereiten. Auch hier sind es unterschiedliche Initiativen, die sich um die Bestückung der meist für den Außenbereich gedachten wetterfesten Schränke, die Aufstellung von Lesebänken und die Ordnung und Sauberkeit auch im Umfeld kümmern. Ihre Arbeit sollte anerkannt werden, denn durch Büchertausch und die kostenlose Weitergabe gebrauchter Bücher an einkommensschwache Familien werden die Lesekultur gefördert und ein Beitrag zur Integration geleistet.

Wie weit die Bücherschrank-Idee in Deutschland verbreitet ist und wer sich ihrer Förderung verschrieben hat, zeigt übrigens eine Wikipedia-Übersicht (die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt): www.wikipedia.de > Suchbegriff: Öffentlicher Bücherschrank > Liste von Bücherschränken

Aufstellorte im öffentlichen Raum zur Verfügung stellen

Die Kommune kann den Büchertausch unterstützen und fördern, indem sie den entsprechenden Initiativen unbürokratisch Aufstellorte im gut frequentierten öffentlichen Raum zur Verfügung stellt oder gestattet, dass öffentliche Bücherschränke in öffentlich zugänglichen kommunalen Räumen aufgestellt werden können (z.B. Rathausfoyer, kommunale Bibliothek, Touristinformation). Gibt die Stadtbibliothek auszumusternde Bücher an die Bücherschrank-Initiativen ab, leistet sie einen Beitrag zur Bestückung mit anspruchsvollen Publikationen.

Reparaturinitiativen

www.repaircafe.org (Screenshot: WEKA-Redaktion)

Auch Gegenstände, an denen wenig defekt ist und die nach einer einfachen Reparatur wiederverwendet werden könnten, enden vielfach im Müll. Reparieren ist aus der Mode gekommen, der schnelle Ersatzkauf wird dem Gang zur Werkstatt vorgezogen. Reparaturinitiativen wollen das ändern. Sie nennen sich Reparaturtreffs oder Repair-Cafés und organisieren Veranstaltungen, bei denen defekte Alltagsgegenstände gemeinschaftlich repariert werden. Wer eine defekte Sache vorbeibringt, kann und soll bei der Reparatur mithelfen. Gemeinsam reparieren heißt dabei nicht „kostenloser Reparaturservice“, vielmehr geht es um gemeinschaftlich organisierte Hilfe zur Selbsthilfe.

In Deutschland gibt es inzwischen über 200 Repair-Cafés, das Netzwerk hat auch eine eigene Website: www.repaircafe.org

Urban Gardening

Garten für jedermann

Ebenfalls dem Grundgedanken des Teilens und kooperativen Handelns entspringt die Idee des Urban Gardening, des städtischen Gärtnerns. Der Begriff meint die gemeinschaftliche Nutzung und Gestaltung öffentlicher, städtischer Räume für den Anbau von Nutz- und Zierpflanzen. Der gesellschaftliche Zweck steht im Vordergrund: Ungenutzte bzw. brachliegende Flächen in der Stadt sollen als Allmende, also gemeinschaftliches Eigentum, erlebbar gemacht werden. Hinzu kommt der positive Effekt der Mitgestaltung des öffentlichen Raums durch die Bürger und dessen ökologisch nachhaltige Nutzung. Ganz nebenbei dienen „Stadtgärten“ auch der Selbstversorgung der Einwohner mit Nahrungsmitteln.

Prinzessinnengärten in Berlin

prinzessinnengarten.net (Screenshot: WEKA-Redaktion)

Ein erfolgreiches Beispiel für eine Urban-Gardening-Initiative ist der 2009 entstandene Stadtgarten „Prinzessinnengärten“ auf einer Brachfläche in Berlin. Die Initiatoren des Projekts gründeten eine gemeinnützige GmbH („Nomadisch Grün“), die weitere Aktivitäten und Veranstaltungen im Bereich der Jugend- und Bildungsarbeit organisiert. Die Zielgruppe der Initiative sind alle interessierten Stadtbewohner, wobei im Rahmen der Bildungsangebote vor allem Bildungseinrichtungen als Multiplikatoren angesprochen werden (prinzessinnengarten.net).

„Essbare“ Stadt Andernach

www.andernach.de/stadt/essbare-stadt (Screenshot: WEKA-Redaktion)

Die Stadt Andernach hat sich mit ihrer von der Verwaltung angestoßenen Urban-Gardening-Initiative zur „essbaren Stadt“ gemacht. Wo auf öffentlichen Grünflächen andernorts oft die Devise „Betreten verboten“ gilt, heißt es in der rheinland-pfälzischen Kommune seit 2010 „Pflücken erlaubt“. Quer durch das gesamte Stadtgebiet können sich Besucher und Bürger an blühenden Nutzpflanzen erfreuen, die sie dann später, wenn alles reif ist, auch ernten dürfen.

Der neuartige Ansatz der Nutzung öffentlicher Grünflächen durch das Bestellen mit Nutzpflanzen hat der Stadt weithin Beachtung verschafft. Auch andere Kommunen sind inzwischen „essbar“ (www.andernach.de/stadt/essbare-stadt).

Autor: Wolfram Markus (Chefredakteur des kommunalen Fachmagazins „der gemeinderat“ (www.treffpunkt-kommune.de) und Herausgeber des Handbuchs „Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik“)


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