Systemische Führung – Führung neu gedacht

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Die Anforderungen der heutigen Zeit erfordern ein grundlegendes Umdenken in den Organisationen und vor allem bei den Führungskräften. Sie müssen einerseits die durch Megatrends wie die Digitalisierung und Globalisierung entstandenen Herausforderungen wie z.B. kürzere Lebenszyklen von Produkten und Technologien meistern und andererseits Antworten auf die neuen Erwartungen der Gesellschaft und vor allem der (potenziellen) Mitarbeiter und Stakeholder finden.

Herausforderungen der heutigen Zeit

Flexibilität hinsichtlich Arbeits- und Denkweisen, eine erhöhte Lernbereitschaft sowie Offenheit für neuartige Kommunikationsmodelle und Kollaborationsplattformen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das hat zur Folge, dass die in der Vergangenheit lange erfolgreichen Denkmodelle und Verhaltensweisen von neuen Paradigmen abgelöst werden. Die Annahme, die Führungskraft wisse aufgrund ihrer Rolle stets am besten Bescheid, erweist sich in einer immer wissensintensiveren Welt als Irrglaube. Auch das Verständnis, dass Organisationen Konstrukte sind, in denen linear agiert werden kann, ist aufgrund der gestiegenen Komplexität und Vernetzungsvielfalt längst überholt. Zu guter Letzt erbringt der Mitarbeiter seine Leistung nicht mehr rein zur Sicherung seiner (finanziellen) Existenz, sondern verlangt zugleich nach Sinnstiftung und Persönlichkeitsentwicklung.

Systemische Führung als Lösungsansatz

Eine mögliche Antwort darauf ist die systemische Führung. Sie bricht mit den tradierten Mustern der Organisations- und Führungstheorie und formuliert ein neues Selbstverständnis, das auf zwei zentralen Prämissen basiert: Erstens definiert sie die Führungskraft als Personalentwickler, dessen Fokus die Kompetenzen und Potenziale der Mitarbeiter sind, und zweitens wird die Führungskraft als Initiator und Moderator für reflexive Prozesse gesehen. Diese umfassen ihre eigenen Denk- und Verhaltensweisen sowie die ihrer Mitarbeiter und stellen die nötige Flexibilität der Organisation sicher.

Konkretisiert man diese Prämissen, muss eine systemisch denkende Führungskraft

  • anerkennen, dass Organisationen soziale Konstrukte mit erheblicher Eigendynamik sind,
  • ihre Handlungen so gestalten, dass sie die Kräfte des Systems im Sinne ihrer Ziele nutzt,
  • sich eigener und fremder mentaler Modelle und deren Wirkung bewusst werden und
  • eine sinnstiftende Transformation dieser mentalen Modelle anstoßen und begleiten.

Alle sind gefragt

Systemische Führung erfordert demnach einen Paradigmenwechsel aller Beteiligten. Seitens der Mitarbeiter reicht es nicht mehr aus, auf Befehle und Einflüsse von „oben“ zu reagieren. Vielmehr müssen sie sich Wissen kontinuierlich, selbstständig und selbstmotiviert aneignen und in der Zusammenarbeit so einbringen, dass das gesamte System davon profitiert. Die Führungskraft muss im gleichen Zusammenhang die hierfür notwendige Lernkultur ermöglichen, indem sie geeignete Plattformen und die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stellt und selbst als Vorbild für Lernbereitschaft, Offenheit und Flexibilität vorangeht.

Einen ausführlichen Artikel mit Beispielen und Skizzen zum Thema „Systemische Führung“ finden Sie im Produkt Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik – Zukunft erfolgreich gestalten.

Autor: Thomas Mayr
(Thomas Mayr arbeitete von 2009 bis 2019 für die Landeshauptstadt München, unter anderem als interner Organisationsberater und als Veränderungsmanager. Zudem fungiert er noch immer als Moderator bei der Durchführung eines Instruments zur Führungskräfteentwicklung.)


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