Auf in die Wahl! 6 Tipps für Kommunalpolitiker

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In diesem Jahr werden in zwei großen Bundesländern die Stadt- und Gemeinderäte neu bestimmt. So wurde es schon im März für Kommunalpolitiker in Bayern interessant. Im Herbst folgen dann die Wahlen im einwohnerstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Ihre Ortsgruppe hat noch nicht die komplette Kampagne realisiert? Sie sind auf sich gestellt? Hier ein paar Tipps, wie man auch ohne den großen Geldbeutel effektiven Wahlkampf macht.

Inhaltsverzeichnis

Am besten an der Basis: Klingeln, Flyer, Briefkastenwerbung

Am Infostand kommen Sie mit Menschen ins direkte Gespräch und können Ihre Themen sofort anschneiden. Und vor allem können Sie zeigen, dass Sie auch zuhören können. Denn viel wichtiger als Schlagfertigkeit und immer die richtigen Argumente parat zu haben ist, Vertrauen aufzubauen. Und das funktioniert am besten über mehr Dialog. Das gilt umso mehr, wenn Sie sich nicht scheuen, Wahlkampf direkt an der Haustür zu machen.

Einfach mal klingeln?

Planen Sie Ihre Route gut und versuchen Sie, die Bürger zum richtigen Zeitpunkt anzutreffen. Fragen Sie ruhig auch bei den Nachbarn, wer wann am besten anzutreffen ist. So minimieren Sie die Gefahr, etwa einen Schichtarbeiter morgens um 9:00 rauszuklingeln.
Gut ist es auch, an „Hotspots“ wie beispielsweise dem Kiosk an der Ecke, der Bäckerei oder der Leihbücherei vorbeizuschauen. Nützlich ist dabei vor allem auch ein eigener Flyer, den Sie den Leuten mitgeben können. Die kosten heutzutage nicht mehr viel, außer natürlich etwas Arbeit.

Das gedruckte Wort

Wie schon erwähnt sind Flyer ein gutes Medium, in dem Sie Ihre wichtigsten Ziele und Argumente noch einmal erläutern können.
Auch wenn es auf den Nägeln brennt, alles unterzubringen, was Sie bisher erreicht haben und was Sie noch angehen wollen, fassen Sie sich kurz.

Tipp: kurze und prägnante Aussagen bleiben hängen

Neben einem Flyer gibt es für wenig Geld Postkarten auch in kleinerer Stückzahl. Zeigen Sie Ihre persönliche Note mit einem sympathischen Bild und/oder auch mit einem treffenden Slogan. Auf der Rückseite Ihren Listenplatz nicht vergessen.
Ein gutes Mittel ist auch der persönliche Brief.

Klassisch im Briefkasten

Hier sind Sie in direkter Konkurrenz mit Ihren Konkurrenten und natürlich noch mit Pizzawerbung, Schlussverkauf-Flyern, Katalogen und Rechnungen.
Umso auffälliger ist es, wenn Sie einen sehr persönlich gehaltenen Brief verteilen. Am besten klassisch im Briefumschlag und, wenn es irgendwie machbar ist, „personalisiert“, also mit der persönlichen Anschrift des Adressaten! Auf keinen Fall „an alle Haushalte“! Falls es gar nicht geht eine Anschrift anzugeben, wählen Sie etwas Persönlicheres, zum Beispiel „Liebe Oberhausener MitbürgerInnen“. Im Brief selbst sollten Sie sich kurz vorstellen, am besten mit Foto, und dann noch kurz & knackig Ihr Wahlprogramm präsentieren.

Tipp: Seien Sie so spezifisch wie möglich

Wenn Sie eine heterogene Zielgruppe ansprechen, wird schnell das Thema nicht klar und niemand fühlt sich angesprochen. Ein Gegenmittel:

  • Schreiben Sie zuerst für Ihren Wunsch-Wähler.
  • Was ändert sich für sie/ihn durch Ihre Kandidatur?
  • Wie helfen Sie bei welchen Problemen?
  • Mit welchen Lösungen?

Klingt einfach und soll es ja auch sein. Setzen Sie den Fokus auf die Kernpunkte Ihrer Kandidatur. Versuchen Sie nicht den großen Rundumschlag. Liste und Listenplatz nicht vergessen.

Passende Plakate

In der Regel werden Plakate von Agenturen erstellt. Aber bringen Sie sich hier ein.
In der Regel sind die Macher von den Slogans mehr begeistert als die eigentliche Zielgruppe. Da weht der „Frische Wind“ mit „Voller Kraft“ und es wird „kräftig angepackt“.

Eine deutliche Botschaft hebt Sie ab

So selbstverständlich das klingt, sprechen Sie konkrete Lösungen an, benennen Sie nicht nur Probleme oder wiederholen Sie allgemeine Slogans.

Führen Sie sich einfach noch mal kurz vor Augen, warum Sie sich politisch engagieren. Und schon haben Sie eine ganze Allee voll Plakate. Von „Kita-Plätze nicht erst in 10 Jahren“ über „Bezahlbare Wohnungen“ bis „Lärmschutz auf der Schleifenstraße“ – das klingt nicht nur nach Inhalt und wird Ihrer politischen Arbeit gerecht, damit können auch die Wähler etwas anfangen.

Machen Sie den Praxis-Check

Mit frischem Wind und voller Kraft bewerben Agenturen ab und an auch Citrus-Reiniger und Laubbläser. „Transformieren“ Sie einfach Ihren Slogan in andere Themenbereiche. Wenn er dort auch ganz gut klingt, ist er vielleicht doch etwas unspezifisch.

Lokale Zeitungen und Radiosender

Auch in den Zeiten des Internets sollten Sie die klassischen Zeitungen nicht außer Acht lassen. Ob Lokalzeitung oder Anzeigenblatt, hier sprechen Sie auch viele ältere Wähler an, die Sie auf Online-Kanälen nicht erreichen. Das Gute dabei, Sie können Ihre Themen in den jeweiligen Medien verschieden ausrichten und nach dem jeweiligen Ansprechpartner gewichten.

In manchen Städten gibt es auch lokale TV- und Radiosender. Hier können Sie mit einem Spot die Bürger sehr viel persönlicher ansprechen. Ein weiterer Vorteil: Sie können den produzierten Spot auch für Ihre Online-Aktivitäten nutzen. Allerdings: Diese Form der Werbung geht schnell ins Geld und will gut überlegt sein.

Wahlkampf im Internet

Ihr Internet-Auftritt ist erfolgreich?

Sie haben eine eigene persönliche Webseite? Gut. Und wie bekommen Sie Besucher auf die Seite? Im ersten Schritt, Google oder andere Suchmaschinen sollten zu Ihren Themen Ihre Seite finden. Das Thema Suchmaschinenoptimierung ist allerdings komplex. Als Basic sollte bei der Suche nach Ihrem Namen auf jeden Fall Ihre Seite vorn auftauchen.

Tipp: bezahlte Suchmaschinenwerbung

Für Kommunalpolitiker ist das durchaus interessant und für einen überschaubaren Zeitrahmen auch finanziell machbar. Ein Vorteil: Bezahlte Suchmaschinenwerbung lässt sich regional stark eingrenzen, sie wird nur bei Suchanfragen in Ihrer näheren Umgebung angezeigt.
Das weiß hoffentlich auch Ihr Suchmaschinenmanager.

Was interessiert die Leser?

Die meisten Interessenten kommen wahrscheinlich über die Namenssuche auf Ihre Website. Und diesen Besuchern muss beim ersten Eindruck sofort klar sein, was Ihre Themen und Ziele sind. Und was letztendlich ausschlaggebend dafür ist, Ihnen ihre Stimme zu geben.

Das ist die alles entscheidende Frage

Viele Politiker-Seiten sind nach einem ähnlichen Schema aufgebaut, meistens Artikel, Pressemeldungen und eine Aufzählung der politischen Standpunkte. Als Kommunikationskanal ist eine Website da doch etwas verschenkt.
Entscheidend ist, was interessiert Ihre Leser? Aller Wahrscheinlichkeit nach die Themen, die sie selbst betreffen.
Ein probates Mittel ist hier zum Beispiel ein Frage-Antwort-Block. Häufige Fragen und Ihre Antworten könnten Sie auch als Video posten.

Die richtige Perspektive

Nehmen Sie die Perspektive des Lesers ein. Sachliche Relevanz ist beileibe nichts Falsches, aber dazu sollten Sie Sorgen und Wünsche der Bürger direkt ansprechen und mit einfachen Worten Ihr Konzept für mögliche Lösungen anführen. Das schafft Zustimmung und Vertrauen.
Gewählt wird der Mensch. Und am leichtesten macht man sich ein Bild von jemandem über Bilder. Stellen Sie eine möglichst breite Palette online, das zeigt den Menschen in seinen unterschiedlichen Facetten und schafft Sympathie.

Gut vernetzt!

Eine Website bietet auch die Möglichkeit, zu verlinken. Das ist nicht nur gut für die Suchmaschinenoptimierung, sondern zeigt auch, dass Sie über ein Netzwerk verfügen. Setzen Sie auf Ihre Seite Links und Logos Ihrer Unterstützer, Ihrer Partei, von Verbänden, Vereinen oder auch Unternehmen.

Social Media und Wahlen

Das Thema der Stunde. Seit der letzten US-Wahl und dem Brexit-Referendum muss auch dem Letzten klar sein, wie Wahlen im großen Stil entschieden werden.
Berühmt wurde die Firma Cambridge Analytica, die mit Microtargeting auf Basis von Nutzerdaten Werbebotschaften zum Beispiel via Facebook möglichst passgenau an Zielgruppen ausspielt. Microtargeting? Das minimiert die Kosten, hört man von Werbetreibenden. In letzter Konsequenz wird aber dem Nutzer dieser Medien genau die Botschaft zugespielt, die zum jeweiligen Profil passt. So bekommt jeder nur noch das, was er laut Algorithmus gern liest.

Für kommunale Wahlen lohnt es sich aber durchaus, in den sozialen Medien Präsenz zu zeigen. Der reichweitenstärkste Kanal ist nach wie vor Facebook und Ihr Profil ist sicher ein gutes Mittel, die Öffentlichkeit zu erreichen.
Aber Facebook will primär Geld verdienen. Was bedeutet das? Abhängig vom Thema und der Anzahl der Fans liegt die organische Reichweite bei 10–15 %, da Facebook gern die Reichweite reduziert, damit man Werbung schaltet. Aber nicht entmutigen lassen.
Hier ein paar Tipps für Ihren Social-Media-Auftritt: kommunalverwaltung.info/social-media-politik-online-auftritt.

Word of mouth

Word of mouth nannte sich früher Mundpropaganda. Im Prinzip heißt das nur, dass Ihre Unterstützer, Freunde, Fans und Bekannten in ihrem jeweiligen Umfeld Werbung für Sie machen. Besser geht’s nicht. Was Sie aber nicht außer Acht lassen sollten, sind die Argumente! Schreiben Sie Ihren Unterstützern per E-Mail oder Whatsapp-Gruppe kurz die wichtigsten Eckpunkte Ihrer Kandidatur. Das gibt Ihren Helfern einen roten Faden an die Hand und die wirklich passenden Argumente.

Das wären zum Beispiel Punkte wie

  • Mit welchen Themen haben Sie sich in der Vergangenheit beschäftigt?
  • Welche Probleme wurden gelöst? Ein paar Beispiele und schon ist man im Thema.
  • Wie hat das einzelnen Menschen konkret geholfen?

Persönliche Geschichten überzeugen, darunter kann sich jeder etwas vorstellen. Sprechen Sie die Bürger direkt an und mit einfachen Worten wird ein Konzept schneller klar. Und der Mensch dahinter präsentiert sich als nicht abgehoben und auf Augenhöhe.

Autor: WEKA-Redaktion


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