Neue Wohnformen und ihre Chancen

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Wie werden die Wohnformen der Zukunft aussehen? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Wohnungswirtschaft, sondern zunehmend auch die Kommunen, denn dort ist Wohnen zentraler Bestandteil im Leben der Bürger. Haben darin Projekte gemeinschaftlichen Wohnens eine Bedeutung?

Inhalt

Wohnungsmarktentwicklungen und demografischer Wandel
Bürgerschaftliche Selbsthilfe
Eigennutz mit Gemeinsinn verbinden
Wohnvielfalt für die Wechselfälle des Lebens

Wohnungsmarktentwicklungen und demografischer Wandel

In Städten mit Wohnraummangel und explodierenden Wohnkosten müssen in jungen Familien beide Elternteile berufstätig sein, um sich mit angemessenem Wohnraum versorgen zu können. Das macht es ihnen nicht leichter, Kinder großzuziehen. Zudem ändert der demografische Wandel die bisherige Mechanik des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft: Das System wechselseitigen Beistands der Generationen in Familien funktioniert heute immer weniger, weil junge Menschen aufgrund beruflich geforderter Mobilität oft ganz woanders wohnen als ihre Eltern. Hinzu kommt: Zunehmend mehr ältere Menschen können auf kein familiäres Netzwerk zurückgreifen, weil sie keine eigenen Kinder haben.
Daher ist es verständlich, dass es Versuche gibt, fehlenden familiären Rückhalt durch andere Netzwerke zu kompensieren, wie etwa mit „wahlverwandtschaftlichen“ Zusammenschlüssen im Wohnen in sog. Projekten gemeinschaftlichen Wohnens.

Bürgerschaftliche Selbsthilfe

Nähe und Distanz

In Projekten des gemeinschaftlichen Wohnens schließen sich zunehmend Bürger zusammen, um gut nachbarschaftlich zu leben. Üblicherweise wohnen sie als Haushalte in eigenen Wohnungen, die sie in Mehrfamilienhäusern oder Wohnsiedlungen errichten lassen. Dort vernetzen sie sich gut und schreiben fest, was sie unter Gemeinschaft verstehen. In aller Regel besteht das aus einem gut austarierten Verhältnis von Nähe und Distanz zueinander.

Gestaltungsmöglichkeiten

Insgesamt realisieren solche Wohnprojekte ein Mehr an Gestaltungsmöglichkeiten und Einflussnahme auf ihr Wohnen, als dies allgemein üblich ist. Grundsätzlich reklamieren sie das Recht für sich, Erstbezieher und Nachrücker selbst bestimmen zu können. Für die Gemeinschaft reservierte Räumlichkeiten nutzen sie für Zusammenkünfte zum gegenseitigen Austausch, für gemeinsame Aktivitäten, Feiern, TV-Events und ggf. auch als Unterkunft für Kurzzeitbesuche von Verwandten.

Eigennutz mit Gemeinsinn verbinden

Unterstützungsbereitschaft

Das Zusammenleben mit Haushalten in ähnlichen Lebenslagen kann sowohl für junge Familien als auch für ältere Menschen von großer Bedeutung sein. Es fördert die gegenseitige Unterstützungsbereitschaft, weil es im Alltag oft um Herausforderungen im Leben geht, die für die jeweilige Lebenslage typisch sind. Mitglieder aus Projekten gemeinschaftlichen Wohnens berichten übereinstimmend, dass es für sie ein gutes Gefühl sei, in diesen aktiven Nachbarschaften zu leben. Ältere sehen in Wohnprojekten zu Recht eine Vorsorge gegen drohende Vereinsamung.

Bedürfnisse der Menschen

Damit nicht genug: Projekte gemeinschaftlichen Wohnens haben in ihren Quartieren oft große Bedeutung, weil sie sich auch mit besonderer Aufmerksamkeit ihrer Wohnumgebung widmen: So stellen sie z.B. ihre Gemeinschafträume der Wohnnachbarschaft zu Verfügung oder engagieren sich oft in Bezug auf Quartiersthemen. Viele integrieren in ihren Reihen auch Menschen, die üblicherweise wenig Chancen auf dem klassischen Wohnungsmarkt haben, etwa alleinerziehende Elternteile mit ihren Kindern, Menschen mit Behinderungen, Familien in Wohnungsnot oder Menschen mit Demenz, indem sie an deren Bedürfnisse angepasste besondere Wohn- und Pflegeangebote bieten.

Gegen Bodenspekulation und Mietenexplosion

Projekte gemeinschaftlichen Wohnens haben, um unabhängig von den Widrigkeiten der Wohnungsmarktentwicklungen zu werden, entscheidend daran mitgewirkt, dass die Genossenschaftsbewegung bundesweit neue Impulse bekommen hat. Dies, indem sie entweder selbst kleine Genossenschaften gründeten oder indem sie sich als Gruppen ein gemeinsames Unterkommen in traditionellen Wohnungsbaugenossenschaften gesucht haben. Mit dieser Orientierung auf die traditionelle Wirtschaftsform des Wir, zeigen sie auf, mit welchen Partnern es auch Kommunen gelingen kann, „ruhigere“ Schneisen in scheinbar nicht zu bremsende Entwicklungen in der Wohnungsversorgung zu schlagen.

Wohnvielfalt für die Wechselfälle des Lebens

Menschen mit Betreuungsbedarf

Sobald die Verletzlichkeit des Lebens im Alter an Bedeutung zunimmt und keine Angehörigen und Bekannte mobilisierbar sind, ist der Weg in eine stationäre Einrichtung in vielen Regionen vorgezeichnet. Die meisten dieser Menschen haben ihre Konzepte in den letzten Jahrzehnten nicht geändert und ignorieren das in vielen Studien geäußerte Unbehagen gegen großkalibrige stationäre Unterbringungsformen, die heute längst durch bessere Möglichkeiten überholt sind.

Angebote für Pflegedürftige

Generell sollte der Wunsch älterer Menschen, zu Hause wohnen bleiben zu können, in der Politik und im Gesundheitswesen ernster genommen werden. Um dem gerecht zu werden, braucht es viel mehr unterschiedliche Wohnangebote für pflegebedürftige Menschen und Entlastungsangebote für deren Angehörigen. So z.B. bedeutend mehr Kurzzeit- und Tagespflege für Betroffene und temporär verfügbare Unterbringungsformen, damit sich pflegende Angehörige auch einmal eine Auszeit nehmen können.

Weitere Informationen:

Wohnformenwww.wohnprojekte-portal.de

WohnformenFORUM Gemeinschaftliches Wohnen

WohnformenBielefelder Modell

Autor: WEKA-Redaktion


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