9 Tipps für Kommunalpolitiker bei der Zusammenarbeit mit Journalisten

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Sie wollen sich als Partei oder Fraktion im demokratischen Wettbewerb der Ideen mit Ihren eigenen Vorstellungen und Vorschlägen (mehr) Gehör verschaffen? Das geht nur mit einer anspruchsvollen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die auch die Arbeitsweise und Anforderungen der Redaktionen im Blick hat. Wir zeigen, wie Fraktionen ihre Zusammenarbeit mit Journalisten gestalten können.

Inhalt

1. Auf das Wesentliche beschränken

2. Stets auskunftsbereit sein

3. Bevorzugung bestimmter Journalisten vermeiden

4. Aktiv den „kurzen Draht“ zu den Medien pflegen

5. Informelle Gesprächsgelegenheiten nutzen

6. Verweis auf die Partei-Homepage ist keine Pressearbeit

7. Bleiben Sie sachlich

8. Auch bei berechtigter Kritik an einem Bericht: Keine Gegendarstellung verlangen!

9. Ehrverletzende Aussagen und Beleidigungen nicht hinnehmen

1. Auf das Wesentliche beschränken

Seien Sie sich als Kommunalpolitiker stets des großen Zeitdrucks bewusst, unter dem Journalisten meist arbeiten. Das heißt für Sie, sich in der schriftlichen Kommunikation – insbesondere bei Pressemitteilungen – möglichst kurz zu fassen. Beschränken Sie sich auf das Wesentliche. Dies gilt aber auch bei mündlichen Erklärungen und Stellungnahmen.

2. Bei der Zusammenarbeit mit Journalisten stets auskunftsbereit sein

Den Anruf eines Journalisten oder dessen Rückrufbitte zu ignorieren, ist ein Fehler, den Sie nie machen dürfen. Unversehens ist Ihre Fraktion im schnelllebigen Nachrichtengeschäft außen vor und es kommen andere zum Zuge. Außerdem wissen Sie ja nicht, welches Anliegen den Journalisten umtreibt. Es könnte etwas Kritisches sein, das unmittelbar mit Ihrer Fraktion und deren Ratsarbeit zu tun hat. Im schlimmsten Fall lesen Sie am nächsten Tag in der Zeitung, dass der Bürgermeister im Rahmen seiner Dauerfehde mit Ihnen die nächste Eskalationsstufe gezündet hat und Sie „bedauerlicherweise“ für eine Stellungnahme nicht erreichbar waren. Das würde ein schlechtes Licht auf Sie als Kommunalpolitiker werfen und Ihre Fraktion massiv unter Zugzwang setzen, die Informationsscharte in der folgenden Ausgabe auszuwetzen. Bis dahin hat sich in der Bevölkerung möglicherweise schon eine Meinung festgesetzt, die für Sie und die Fraktion nicht vorteilhaft ist.

3. Bevorzugung bestimmter Journalisten vermeiden

Versorgen Sie stets alle Medien gleichzeitig und gleichmäßig mit Ihren Pressemitteilungen und Berichten. Das ist fair, zeigt das gebotene Maß an Professionalität im Umgang mit der Presse und sichert Ihnen eine größere Aufmerksamkeit in den Redaktionen. Konkurrenz belebt das Geschäft, das gilt auch für die Medienlandschaft. Wenn der Lokalchef Ihrer Heimatzeitung davon ausgehen kann, dass Sie regelmäßig auch die Redaktionen der anderen Zeitungen mit Pressemitteilungen versorgen, wird er Ihrer Nachricht grundsätzlich eine höhere Beachtung schenken, als wenn er nicht damit rechnen muss, dass ihm die Konkurrenz bei einem wichtigen Thema „davonzieht“.

Das schließt nicht aus, dass Sie mit einem besonders wichtig erscheinenden Thema nur an den Redakteur jenes Mediums herantreten, zu dem Sie auf Grund langjähriger Kontakte besonderes Vertrauen haben und von dem Sie wissen, dass er sich Ihrer Sache wohlmeinend annimmt. Allerdings müssen Sie darauf vorbereitet sein, dass Sie von Journalisten der anderen Blätter gefragt werden, warum sie bei diesem Thema von Ihnen zunächst außen vor gelassen wurden.

4. Aktiv den „kurzen Draht“ zu den Medien pflegen

Für die erfolgreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist es also unabdingbar, zu den Medien einen „kurzen Draht“ zu pflegen. Dabei müssen Sie der aktive Part sein, sonst erhalten Ihre politischen Kontrahenten die größere Aufmerksamkeit. Setzen Sie also viel daran, kommunikativ in der Öffentlichkeit nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Journalisten sind dankbar dafür, wenn Kommunalpolitiker mit interessanten Themen und wichtigen Anliegen auf sie zukommen. Doch Vorsicht: Wenn Sie zu oft in der Redaktion anrufen, haben Sie schnell das Image des Störenfrieds weg, der die Abläufe hemmt und letztlich nur seinen „üblichen Mist“ loswerden will. Sie müssen die richtige Balance zwischen der Art des Kontakthaltens und längeren Phasen der Funkstille finden.

5. Informelle Gesprächsgelegenheiten nutzen

Solche Zusammentreffen „am Rande“ haben für die Zusammenarbeit mit Redaktionen eine besondere Bedeutung. Denn Journalisten sind für eine erfolgreiche Berufsausübung auf vielfältige Informationen aus verschiedenen Quellen angewiesen. Dabei nutzen sie für ihre Recherchen und den Aufbau von Hintergrundwissen vielfach Gespräche außerhalb offizieller Anlässe. Für Sie als Pressezuständigen heißt das, gerade auch den nichtformellen Anlass zu suchen, um mit Medienvertretern in Kontakt zu kommen.

Bei einem Kaffee „zwischendurch“ oder einem Glas Wein am Abend auf „neutralem Boden“ lassen sich Motive und Inhalte Ihrer kommunalpolitischen Arbeit in einer Weise vermitteln, die beim Gegenüber besonders gut haften bleiben kann. Gelingt es Ihnen, einen solchen „Draht“ aufzubauen und dauerhaft zu halten, werden Sie und die Politik Ihrer Partei vor Ort bei dem betreffenden Medienvertreter viel stärker wahrgenommen.

6. Verweis auf die Partei-Homepage ist keine Pressearbeit

Was Sie unbedingt vermeiden müssen, ist, die Redaktionen auf die Homepage Ihrer Partei als Informationspool zu verweisen. So kommt eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Medien nicht zustande! Generell gilt: Kein Journalist hat die nötige Zeit, alle ihm „schmackhaft“ gemachten Homepages der einigermaßen wichtigen Organisationen täglich abzugrasen. Und auch Ihr eben via Facebook oder Twitter abgegebenes Statement zu einer aktuellen politischen Frage ist keine Pflichtlektüre für Redaktionen.

7. Sachlich bleiben bei der Zusammenarbeit mit Journalisten

Der vernünftige, menschliche Umgang miteinander sollte gerade dann Maßstab sein, wenn Sie einmal meinen, mit einem Journalisten einen Strauß ausfechten zu müssen, weil er in einem Beitrag „Blödsinn verzapft“ hat. Suchen Sie das Gespräch, legen Sie Ihre Auffassung dar und erklären Sie, wo der Redakteur Ihrer Meinung nach falsch liegt oder überzieht. Bleiben Sie dabei unbedingt sachlich.

8. Auch bei berechtigter Kritik an einem Bericht: Keine Gegendarstellung verlangen!

Ist doch kein Problem, mögen Sie meinen, dann zwinge ich die Redaktion eben, eine Gegendarstellung abzudrucken! Das gilt es möglichst zu vermeiden. Denn damit gießen Sie erst recht Öl ins Feuer Ihrer Auseinandersetzung mit dem Journalisten. Wenn er Sie bis jetzt noch nicht persönlich auf dem Kieker hatte, wird es nun soweit sein.

Zudem ist es schwierig, die Gegendarstellung, wie Sie sie im Sinn haben, in die Zeitung zu bekommen. Denn das z.B. in Kommentaren von Journalisten Geäußerte ist durch die Meinungsfreiheit abgedeckt und nur in bestimmten, ganz eng eingegrenzten Fällen überhaupt gegendarstellungsfähig oder gerichtlich verfolgbar.

9. Ehrverletzende Aussagen und Beleidigungen nicht hinnehmenn

Lösen Sie Konflikte mit der Redaktion nicht, indem Sie die Brechstange ansetzen, es sei denn, in der Auseinandersetzung geht es um Schmähungen gegen Sie, ehrverletzende Aussagen und Beleidigungen. In diesen Fällen stehen Ihre Chancen gut, wenn Sie sich notfalls gerichtlich wehren.

Den vollständigen Artikel zur Zusammenarbeit mit Journalisten finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.

Autor: Wolfram Markus (Chefredakteur des kommunalen Fachmagazins „der gemeinderat“ (www.treffpunkt-kommune.de) und Herausgeber des Handbuchs „Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik“)


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