Interkommunale Zusammenarbeit: Beweggründe und Motivationen

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Weshalb arbeiten Städte mit ihren Nachbargemeinden zusammen? Warum schließen sich Kreise zusammen und gründen Zweckverbände? Was haben Kommunen davon, sich in ihren Vorhaben abzusprechen? Eine ganze Reihe von Motiven bewegt Gemeinden, ihre Kräfte und ihr Know-how zu bündeln und sich zum beiderseitigen Vorteil miteinander zu verbinden.

Inhalt

Finanziellen Spielraum erhalten oder gewinnen

Kommunale Aufgaben qualitativ hochwertig erfüllen

Leistungsspektrum effizienter gestalten und ausbauen

Handlungsfähigkeit erhalten und erweitern

Leistungsgefälle ausgleichen

Jede interkommunale Zusammenarbeit ist ein Einzelfall

Interkommunale Zusammenarbeit
Wo findet man interkommunale Zusammenarbeit? (Darstellung: WEKA-Redaktion)

Finanziellen Spielraum erhalten oder gewinnen

Die leeren Kassen vieler Kommunen zwingen sie dazu, neue Wege zu gehen und ausgetretene Pfade zu verlassen. Eine Möglichkeit, trotz schmaler Etats handlungsfähig zu bleiben, sehen viele Kommunen darin, Aufgaben gemeinsam mit Partnerkommunen zu übernehmen.

Ziel ist es, die eigenen Ausgaben zu reduzieren, ohne an Qualität einzubüßen, oder gemeinsam neue Einnahmequellen zu erschließen. Durch geteilte Kosten erreichen Kommunen eine finanzielle Entlastung des eigenen Haushalts. Außerdem können Investitionen möglich werden, die im Alleingang nicht zu stemmen wären. Und beim gemeinsamen Einkauf und durch die Abnahme größerer Mengen profitieren Kommunen zudem von Rabatten und Preisvorteilen.

Kommunale Aufgaben qualitativ hochwertig erfüllen

Die Ansprüche von Bürgern, Politik und Verwaltung sind hoch, wenn es um die Qualität der kommunalen Leistungen geht. Diese Qualität zu erbringen und auch langfristig zu garantieren ist für die einzelne Gemeinde nicht immer leicht. Der aktuelle und drohende Fachkräftemangel in den Behörden verschärft die Situation noch zusätzlich. Deshalb verfallen viele Kommunen auf die Idee, sich zusammenzutun, um gemeinsam eine hohe Qualität der Aufgabenerfüllung zu gewährleisten.

Wechselseitige Urlaubs- und Krankheitsvertretungen sorgen beispielsweise dafür, dass die Bürger auch dann auf kompetente Ansprechpartner treffen, wenn in einer Kommune eigentlich gerade zu wenig Personal zur Verfügung steht. Beim Blick über den Tellerrand und einem gezielten Wissenstransfer eröffnen sich zudem oft neue Perspektiven für das eigene Handeln.

Darüber hinaus besteht die Chance, Mitarbeiter durch eine interkommunale Aufgabenbündelung zu entlasten. Das könnte einerseits dazu führen, dass die verantwortlichen Mitarbeiter mehr Zeit haben, ihre Aufgaben mit hoher Qualität zu erledigen, andererseits können sie durch die Konzentration auf weniger Aufgaben einen höheren Spezialisierungsgrad erreichen.

Leistungsspektrum effizienter gestalten und ausbauen

Stichwort „attraktive Kommune“ – um für ihre Bürger, für mögliche Neubürger, Touristen und Investoren interessant und lebenswert zu sein, wollen die meisten Kommunen ihr Leistungsspektrum aufrechterhalten und möglichst sogar ausbauen. Um das bei angespannter Haushaltslage realisieren zu können, ist die interkommunale Zusammenarbeit für viele Kommunen eine ernst zu nehmende Option. So können Innovationen angegangen und Investitionen getätigt werden, die Kommunen alleine nicht stemmen könnten.

Handlungsfähigkeit erhalten und erweitern

Handlungsfähig und eigenständig zu bleiben – das ist für Kommunen von entscheidender Bedeutung. Sie schließen sich daher mit Gleichgesinnten zusammen, um über den dadurch entstehenden Größenvorteil agieren zu können und ihre Personalhoheit zu bewahren. Es entsteht die Möglichkeit, sich im Konsens gemeinsam weiterzuentwickeln und wettbewerbsfähig zu bleiben, statt sich als allein kämpfende Kommune in möglicherweise ruinöse Konkurrenzsituationen zu begeben.

Leistungsgefälle ausgleichen

Die Nachbargemeinde steht finanziell besser da, hat mehr Personal zur Verfügung, verbucht Erfolge im Tourismus oder lockt mehr florierende Unternehmen ins Gewerbegebiet? Wo ein starkes Leistungsgefälle zwischen Nachbarkommunen besteht, kann interkommunale Zusammenarbeit das Leistungsgefälle abschwächen oder ausgleichen. Ihr kommt dann eine Ergänzungs- oder Ausgleichsfunktion zu, die beiden Kommunen zuträglich sein kann.

Jede interkommunale Zusammenarbeit ist ein Einzelfall

Trotz aller möglichen Vorteile kommunaler Zusammenarbeit: Am Anfang steht die Abwägung.

  • Was spricht für eine Kooperation, was spricht dagegen?
  • Was soll mit einer Kooperation erreicht werden – und ist sie der richtige Weg?

Es lohnt sich, bei Kommunen nachzufragen, die vergleichbare Kooperationen auf ähnlichen Gebieten eingegangen sind, auch wenn jede Kooperation ihre ganz eigenen Ausprägungen hat. Dabei sollten wichtige Fragen umfassend beantwortet werden:

  • Sind die Erfahrungen der Vergleichskommune auf die eigenen Gegebenheiten übertragbar?
  • Sind die Voraussetzungen und die Zielsetzungen ähnlich?
  • Wie ist der Status quo in der eigenen Kommune?

Weitere Informationen zur interkommunalen Zusammenarbeit finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.

Autorin: Bettina Dommnich
Hat lange Jahre als Pressesprecherin und Zeitungsredakteurin gearbeitet und als Lokaljournalistin vielfältige Einblicke in die kommunalen Strukturen gewonnen.


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