Kommunale Bäder als Gasthaus führen: Besserer Service, mehr Angebote

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Schwimmen darf nicht zum Luxusgut nur gut Betuchter werden. Daher wird ein kommunales Bad immer ein Zuschussbetrieb bleiben. Aber die Höhe des Zuschusses ist steuerbar. Um der Gefahr zu begegnen, dass bei anhaltend hohen Kosten Bäder geschlossen werden, sollten innerbetrieblich alle Möglichkeiten zur Erhöhung von Einnahmen und zur Erweiterung der Nutzungen ausgeschöpft werden.

Hierzu bedarf es zu allererst einer neuen Sichtweise auf kommunale Bäder, die Gäste und die bisherigen Nutzer: Der Gast steht im Mittelpunkt und erhält einen guten Service.

Inhalt

Attraktivitätssteigerung mit begrenzten Mitteln

Auf Angebotserweiterung setzen

Rechteckig, funktional, sachlich: für den „Normalbesucher“ langweilig
Highlights für alle Nutzergruppen
Paradigmenwechsel ist erforderlich

Kommunale Bäder brauchen Mitarbeiter mit Verständnis für Service

Gästebetreuung muss zur Hauptsache werden
Anfängerschwimmen anbieten
Erweiterte Aufgaben – höhere Selbst-Wertschätzung

Attraktivitätssteigerung mit begrenzten Mitteln

Privatwirtschaftliche Bäderbetreiber investieren in Spaß- und Erlebnisbäder und bieten den Gästen, neben dem Schwimmen, einen vielfältigen Zusatznutzen an. Diese Investitionen sind für kommunale Bäder unmöglich zu erbringen. Die Städte und Gemeinden haben weder die Mittel, noch ist es ihre Aufgabe, einen Unterhaltungsbetrieb zu finanzieren.

Viele Kommunen haben aber verstanden, dass eine Modernisierung ihrer kleinen Bäder im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten notwendig und wirtschaftlicher ist als eine Schließung oder eine dauerhaft geringe Auslastung. Insbesondere Hallenbäder sollten prüfen, ob sie ihr Angebot für die Badegäste durch einen modernen, ansprechenden Gastronomiebereich, eine Erlebnissauna und einen Außenbereich ausbauen können. Wenn sich die jungen wie älteren Badegäste wohler fühlen, kommen sie häufiger und lassen auch mehr Geld in den Kassen der Bäder.

kommunale Bäder Service
Zusatzeinrichtungen im Hallenbad Mannheim-Neckarau: Café, Liegewiese, Sauna (Quelle: Robin Kähler)

Auf Angebotserweiterung setzen

Rechteckig, funktional, sachlich: für den „Normalbesucher“ langweilig

Die Baustruktur der meisten älteren Hallenbäder richtete sich nach den Normen des Verbandsschwimmens: rechteckig, funktional, sachlich. Was für den Schwimmsport ausreicht, der nur Schwimmbahnen benötigt, ist für den „normalen“ Gast zu langweilig.

Kinder und Jugendliche wollen spielen, toben, Wassererfahrungen sammeln, rutschen, sich mit Geräten auseinandersetzen, Hilfsmittel benutzen, in Gruppen zusammen sein, auch Lärm machen und sich frei im Wasser bewegen. Wenn es daher möglich ist, durch temporäre oder fest installierte Einrichtungen das Rutschen, Spielen und Springen und mehr anzubieten, zieht dies vor allem Kinder und Familien an.

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Bunte Schwimmhilfen, Spielgeräte, Rutsche, „Ermunterungswand“ (Quelle: Kähler)

Highlights für alle Nutzergruppen

Neben den materiellen Verbesserungen ist die Erweiterung des Badeangebots zwingend erforderlich. Es sollten

  • Spielevents,
  • Fitness- und Gesundheitskurse,
  • Großveranstaltungen,
  • Musikbegleitungen,
  • Baby- oder Opa-Schwimmkurse,
  • Schnellschwimmbahnen und
  • besondere Highlights für Berufstätige

angeboten werden.

Der Hintergedanke dieser Angebote ist nicht, den Badegast nur temporär zu „bespaßen“. Vielmehr soll schon Kindern die Freude am Baden und Schwimmen vermittelt werden. Hierdurch lassen sich die Menschen an das Element Wasser und die Bürger an „ihr“ Bad in der Kommune binden.

Paradigmenwechsel ist erforderlich

Will man als Kommune daher langfristig eine hohe Belegung, mithin einen konstant hohen Kostendeckungsgrad erreichen, dann muss man wie in einem Dienstleistungsunternehmen versuchen, die Badegäste an sich zu binden.

Diese Forderung bedeutet im Grunde in den öffentlichen Bädern fast schon einen Paradigmenwechsel. Es gibt immer noch kommunale Bäder, die sich als „Amt“, Einrichtung und Schwimmsportstätte verstehen. Sie müssen sich in Zukunft zu einem „Gasthaus für Badende und Schwimmer“ weiterentwickeln. Kommunale Bäder sind dann nicht mehr „Verrichtungsstätten für Schwimmleistungen“, sondern eher Gasthäuser mit Service für Menschen, die in ihrer Freizeit Erholung, Bewegung, Geselligkeit, Gesundheit und Spiel wollen. Dies hat auch auf das Selbstverständnis und die Arbeit des Schwimmpersonals Auswirkungen.

Kommunale Bäder brauchen Mitarbeiter mit Verständnis für Service

Gästebetreuung muss zur Hauptsache werden

Bisher war die Gästebetreuung nur Nebensache. In einem Bad, das sich als Gästehaus versteht, wird sie zur Hauptsache. Das heutige Schwimmmeister- und Fachangestelltenpersonal ist auch weit besser und vielseitiger ausgebildet, als es früher der Fall war. Es bringt die Voraussetzungen mit, sich selbst unmittelbar in das aktive Schwimmangebot und den Service für Gäste einzubringen und nicht nur als Technik- und Aufsichtspersonal zu fungieren.

Anfängerschwimmen anbieten

Das betrifft z.B. die Schwimmausbildung. Wenn schon die Schulen nur in geringem Maße Nichtschwimmer zu Schwimmern machen und die Nutzung der Bäder zu gering ist, dann ist es sinnvoll, den Kreis der Einrichtungen, die Anfängerschwimmen anbieten, auf die kommunalen, fachlich qualifizierten Schwimmfachangestellten und -meister in den Bädern zu erweitern. Mit dem fünften Lebensjahr kommen die Kinder in das beste Lernalter. Wenn Kinder vor Schuleintritt bereits eine Wassergewöhnung und Grundfähigkeiten erlangt haben, kann sich der schulische Schwimmunterricht (und der Vereinssport) mehr auf die Verbesserung der Schwimmtechniken konzentrieren.

Erweiterte Aufgaben – höhere Selbst-Wertschätzung

Das Bäderpersonal wird sich in Zukunft als Dienstleister im positiven Sinn verstehen, die sich um das Wohl der Badegäste kümmern, ohne dabei ihre ursprünglichen technischen und sichernden Aufgaben vernachlässigen zu müssen. Diese erweiterten Aufgaben führen bei den Bediensteten zu einer höheren erlebten Wertschätzung, was sich wiederum positiv auf ihre Einstellung zu ihrem Beruf und zu den Badegästen auswirkt.

Weitere Informationen zu kommunalen Bädern finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.

Autor: Prof. Dr. Robin Kähler lehrte bis 2013 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Sportwissenschaften. Er ist Gutachter für kommunale, regionale und internationale Sport- und Freiraumentwicklungsplanung.


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