Kultur und Wirtschaft in der Kommune

© iStock / Getty Images Plus / nidwlw

Für die Wettbewerbsstärke einer Kommune spielt Kultur eine wichtige Rolle. Kulturelle Einrichtungen und Anbieter müssen aber auch Kosten decken, um ihre Existenz nicht zu gefährden.
Im Folgenden betrachten wir zunächst die Kosten und dann die Nutzenstiftung der Kultur. Anschließend erläutern wir die kulturelle Wertschöpfung als entscheidenden Wertmaßstab zur Beurteilung des Standortfaktors.

Inhalt

Kosten für Kultur in der Kommune
Nutzenstiftung und Nutzenmessung
Kulturelle Wertschöpfung als Faktor der Kommunalentwicklung

Kosten für Kultur in der Kommune

Hoher Einsatz und hohes Risiko

Die Haushalte der meisten Kommunen sind angespannt und Kultur kostet viel Geld. Man muss Gebäude errichten, unterhalten und irgendwann sanieren, zudem braucht man dauerhaft eine große Menge an Personal. Die Durchführung großer Veranstaltungen mit hohem technischem Anspruch und Herausforderungen im Hinblick auf die Sicherheit ist personal- und kostenaufwendig und birgt oft ein hohes wirtschaftliches Risiko (Wetterabhängigkeit). Die Kommune muss Angebote bewerben, was oft hohe Etats verlangt, vor allem für den Einsatz regionaler und überregionaler Werbeträger.

Entgangener Nutzen

Kosten sind objektiv messbar, und bei der Stadtverwaltung schlagen sie sich im Haushalt nieder. Dabei ist zu präzisieren: Gemeinhin setzt man Kosten mit Ausgaben gleich. Betriebswirtschaftlich betrachtet ist unter Kosten aber auch der entgangene Nutzen zu fassen, wenn man sich beim Geldausgeben für die Finanzierung eines bestimmten Vorhabens entscheidet und darauf verzichtet, eine Alternative zu realisieren, die auch einen Nutzen hätte, aber nicht in den Etatrahmen passt.

Beispiel: Der Stadtrat beschließt, ein großes Kino im Gewerbegebiet zuzulassen, womit er aber wahrscheinlich die Existenz des letzten in der Innenstadt verbliebenen kleineren Kinos gefährdet. Somit vieliert die ohnehin geschwächte Kernstadt einen kulturellen Anziehungspunkt, der allen Generationen etwas bietet und auch abends für die Belebung der Innenstadt und damit für Umsatz in der Gastronomie sorgt. Auch solche Kosten sind bei Entscheidungen in kulturellen Belangen zu berücksichtigen.

Nutzenstiftung und Nutzenmessung

Ertrag und immaterieller Nutzen

Von kulturellen Investitionen wird zu Recht ein Ertrag erwartet. Der materielle Ertrag („return on investment“) und insbesondere der immaterielle Nutzen lassen sich nicht immer so klar beziffern wie in der Regel die Ausgaben bzw. die Kosten.

Beim Verkauf von Eintrittskarten für Besichtigungen, Konzerte usw. generiert man Erlöse, die sich direkt erfassen lassen. In die Wirtschaftlichkeitsrechnung für die kommunale Tourismusförderung gehen auch die erhöhten Umsätze der Beherbergungs- und der gastronomischen Betriebe ein und der kommunale „Fremdenverkehrsbeitrag“, die Tourismusabgabe, die auch Handwerkern und Dienstleistern abverlangt wird, wird mit den Umsatzsteigerungen begründet, die diesen eher tourismusfernen Unternehmen zugeordnet wird.

Bei Einrichtungen wie allgemeinbildenden Schulen stellt man öffentliche Güter bereit; eine Wirtschaftlichkeitsrechnung im Sinne einer Kosten-Nutzen-Abwägung wird dabei in der Regel nicht erstellt. Es wird eine politische Entscheidung getroffen, weil die Gremien das betreffende Angebot für notwendig und finanzierbar halten.

Identifikation mit Gemeinde

Ein wesentlicher Nutzen der örtlichen Kultur liegt in ihrem positiven Einfluss auf die Identifikation der Bürger mit „ihrer“ Kommune. Auch hier gibt es in gewissem Ausmaß Möglichkeiten der Messung, z.B. im Grad der Bereitschaft der Bürger, sich als Sponsor für aufwendige kulturelle Projekte zu engagieren.

Aktives Kulturleben ist nutzenstiftend

Immer deutlicher wird auch die Wahrnehmung des Nutzens, den ein aktives Kulturleben für die Attraktivität einer Stadt als Wohn- und Wirtschaftsstandort bedeutet. Um knappe Fachkräfte wird überall geworben. In vielen überregionalen Stellenanzeigen großer Unternehmen wird nicht nur die zu besetzende Position zugkräftig beschrieben, sondern auch die Lebensqualität des künftigen Wohnorts herausgestellt und insbesondere auf seine Ausstattung mit Bildungs-, Gesundheits- und Freizeiteinrichtungen sowie das reiche Kulturleben hingewiesen. Dies erhöht die Bereitschaft der Bewerber zum Umzug.

Kulturelle Wertschöpfung als Faktor der Kommunalentwicklung

Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Benefits

Die Vitalität einer Kommune und ihre Fähigkeit, sich im scharfen Wettbewerb der Standorte zu behaupten, hängen von ihrer Wertschöpfung ab. Die Gesamtwertschöpfung, umfasst die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Wertschöpfung.

  • Wirtschaftliche Wertschöpfung: wertsteigernde Leistung, die von Unternehmen am Standort erzielt wird und z.B. in Umsatzgrößen, Kaufkraftkennziffern und mit Gewinn- und Verlustrechnungen gemessen werden kann. Ausdruck der wirtschaftlichen Stärke sind auch generell die Steuerkraft einer Gemeinde, die Höhe der Immobilienpreise und der Mieten.
  • Soziale Wertschöpfung: umfasst alle Aktivitäten, die die Daseinsvorsorge betreffen und das soziale Klima prägen, z.B. die Ausstattung der Gemeinde mit Krankenhaus, Ärzten und Notarzt, die Leistungen haupt- und nebenamtlicher Kräfte bei Kirchengemeinden, Rotem Kreuz, Arbeiterwohlfahrt, Jugendarbeit, Ferienprogrammen für Kinder.
  • Kulturelle Wertschöpfung: Gesamtleistung aller Kulturschaffenden, darunter Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen, Kirchengemeinden, Aktivität der Musik- und Kunstvereine; Hilfen für benachteiligte Schulkinder usw.

Kultur und Wettbewerbsstärke der Kommune

Die drei Bereiche bedingen sich gegenseitig, denn mit Geld in der Gemeindekasse realisiert man auch leichter kulturelle und soziale Projekte. Stimmt das soziale Klima und sind die Menschen stolz auf „ihre“ Stadt, gibt es weniger Vandalismus und eine größere Bereitschaft von Privaten, in dieser Stadt in Immobilien zu investieren sowie sich an der Finanzierung kultureller Projekte zu beteiligen. Und wenn das kulturelle Leben blüht, fällt es Unternehmen leichter, qualifizierte Mitarbeiter zu halten oder von auswärts anzuziehen. Zudem sind die Einheimischen weniger geneigt, in einen anderen Ort zu ziehen.

Autor: WEKA-Redaktion

Hinweis: Den vollständigen Artikel mit weiteren Tipps finden Sie in unserem Produkt Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.


Das könnte Sie auch interessieren:

Kitas und Schulen – Kommunale Infrastruktur

Zukunftsfähige Kommune

Senioren: Warum Mobilität im Alter wichtig ist

Add Comment