Seniorengrechte Mobilität in Euskirchen

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Der ländliche Raum ist vielschichtig, es muss im Hinblick auf den Ausbau der Mobilität an alle Menschen gedacht werden. Der Kreis Euskirchen ermöglicht einen Blick auf das Engagement bei der Entwicklung neuer sowie nachhaltiger Mobilität – für Schüler, Auszubildende und Berufspendler, aber eben auch für Senioren.

„thürneMobil“ – Dorfauto mit ehrenamtlichen Fahrern

Mit über 1.200 km² Fläche und rund 188.000 Einwohnern ist der Kreis Euskirchen flächenmäßig der sechstgrößte, von der Einwohnerzahl her allerdings der drittkleinste Kreis Nordrhein-Westfalens. Die Bevölkerungsentwicklung ist rückläufig. Bis 2030 ist ein Rückgang von 2,8 % gegenüber 2012 zu erwarten. Gleichzeitig wird den Prognosen zufolge das Durchschnittsalter der Bevölkerung signifikant steigen: Die Zahl der über 65-Jährigen nimmt bis 2030 um rund 50 % gegenüber 2012 zu.

Die Bevölkerungsentwicklung und -alterung verläuft dabei kreisweit teils sehr unterschiedlich. Von den demografischen Veränderungen sind vor allem die sehr ländlich strukturierten Städte und Gemeinden im südlichen Teil des Kreises betroffen. Wer dort kein eigenes Auto hat, ist häufig abgehängt vom gemeinschaftlichen Leben außerhalb des unmittelbaren Dorfumfelds.

Mobilität Senioren Euskirchen
Homepage Dörfergemeinschaft am Thürne e.V. (© Screenshot Weka-Redaktion)

Mobilität in Euskirchen: Angebot hauptsächlich von Senioren genutzt

Für die in den Dörfern im Bereich des Thürnebergs im Bad Münstereifeler Höhengebiet lebenden älteren Menschen war die Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen lange Zeit besonders schwierig. Vor diesem Hintergrund entstand im Rahmen einer sogenannten Dorfwerkstatt die Idee zu „thürneMobil“. Dieses umfasst mit dem „thürneDorfauto“ und dem „thürneDorfhüpfer“ (Dorfauto mit ehrenamtlichem Fahrer) zwei Mobilitätsangebote, die Umsetzung erfolgte als eines von fünf Modellprojekten im Rahmen des LEADER-Projekts „E-ifel mobil“. Für eine einjährige Testphase stellten die Projektpartner dem örtlichen Bürgerverein Dörfergemeinschaft am Thürne kostenfrei ein Elektroauto zur Verfügung. Dieser organisierte mit zwölf jüngeren ehrenamtlichen Fahrern internetbasiert den Fahrdienst.

Das „thürneDorfauto“ und den „thürneDorfhüpfer“ nutzten vor allem die älteren Menschen als Ergänzung der Leistungen des ÖPNV.

Heute: „TaxiBus“ ergänzt den Linienbus

Nach dem Ende der Testphase konnte das Angebot allerdings nicht verstetigt und etabliert werden. Mobilitätsangebote des ÖPNV gibt es in den Dörfern heute in Form von Linienbus- und „TaxiBus“-Fahrten.

Der „TaxiBus“ fährt auf (telefonische) Anforderung und bedient wie der Linienbus einen festen Linienweg mit Haltestellen und Fahrplan. Am Zielort bringt er die Fahrgäste auf Wunsch (wenn z.B. Einkäufe oder Reisegepäck mitgeführt werden) auch direkt vor die eigene Haustüre. Wer den „TaxiBus“-Service nutzen möchte, bezahlt zum regulären Preis der Linienbusfahrt einen Zuschlag je Fahrt (1,20 Euro für Erwachsene, 0,50 Euro für Kinder bzw. Monatsticket für 19,60 Euro).

Mehr Informationen: www.thuerne.de/infrastruktur/verkehr-oepnv

Autor: Wolfram Markus


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