Storytelling in der politischen Kommunikation

© DigitalVision / Getty Images Plus / Hill Street Studios

Storytelling ist ein machtvolles Instrument, um in der politischen Kommunikation Botschaften zu vermitteln. Auf die „Kraft der Geschichten“ zu setzen, heißt nicht, auf Argumente, Fakten und Zahlen zu verzichten. Doch ohne die Geschichte dazu, mit der Sie Emotionen bei Ihren Zuhörern auslösen, werden Sie mit trockenen Daten bei den Wählern nicht punkten. Hier verraten wir Ihnen, was es mit dem Storytelling in der politischen Kommunikation auf sich hat.

Inhalt

Warum überhaupt Geschichten erzählen?

Von der Agitation zur glaubwürdigen, emotionalen Kommunikation

Storytelling als Brücke zur Glaubwürdigkeit in der politischen Kommunikation

Warum überhaupt Geschichten erzählen?

Aufmerksamkeit der Zuhörer gewinnen

Eine lebendig erzählte Geschichte gewinnt die Aufmerksamkeit und Konzentration anderer Menschen leichter als eine nüchterne Ansprache. Die Zuhörer versuchen, den Handlungsablauf, den Sinn (die Metapher) zu erfassen und die darin enthaltene Weisheit zu verstehen.

Zum Erzählen gehören neben der Sprache auch weitere persönliche Ausdrucksmittel wie Gestik, Mimik und die Stimme. Dabei muss das Grundmuster der Geschichte immer aus der Lebenswelt der Zuhörer stammen, also der Welt der Schüler, der Patienten, der Kundschaft, der Mitarbeiter des Betriebs – oder eben aus der Welt Ihrer Wähler.

Geschichten erzählen erfüllt viele Aufgaben

  • Lebenserfahrung vermitteln
  • Wissen weitergeben
  • Sachinformationen mitteilen
  • Problemlösungen aufzeigen
  • Denkprozesse einleiten
  • Rollenerwartungen definieren
  • Verhaltensänderung anregen
  • Repertoire an Verhaltensweisen erweitern
  • unterhalten
  • Normen und Werte vermitteln
  • Anschauungsvermögen fördern
  • zum Handeln motivieren
  • Hoffnung stiften
  • Sinn geben

Von der Agitation zur glaubwürdigen, emotionalen Kommunikation

Zahlen, Fakten, Floskeln

Wenn man sich die Reden der meisten Politiker anhört, kann man den Eindruck erhalten, dass die Bedeutung von Geschichten nicht erkannt wird. Zahlen und Fakten werden inflationär verwendet und das eigene Unvermögen, die beabsichtigte Aussage auf den Punkt zu bringen, mit Floskeln kaschiert. Hören Sie bei politischen Reden einmal genau hin, was da alles „alternativlos“ ist, wie mantrahaft wiederholt wird, dass „die Inhalte im Vordergrund stehen müssen“ und wir uns folgerichtig auf keinen Fall „treiben lassen dürfen“.

Agitieren hat ausgedient

Viele Spitzenpolitiker sind immer noch in der Tradition einer politischen Kommunikation verhaftet, die glaubt, dass politische Überzeugungen hauptsächlich durch Agitation transportiert werden. Heute ist unumstritten, dass Politik in dem Dreiklang zwischen Programmen, Personen und Parteien und deren Image kommuniziert wird.

Heute steht der Aspekt der Glaubwürdigkeit ganz klar im Vordergrund. Politische Kommunikation muss „stimmig“ sein. Die handelnde Person und der politische Inhalt und idealtypisch das Bild der Partei, die der Politiker vertritt oder der er nahesteht, müssen eine Einheit bilden.

Storytelling als Brücke zur Glaubwürdigkeit in der politischen Kommunikation

Menschen wollen heute glaubwürdige, „stimmige“, menschliche Politiker. Sie wollen keine Politiker, die ihnen Märchen erzählen, aber sie wollen wissen, wie die politischen Aussagen wirken. Es gibt eine neue Sehnsucht nach Geschichten, die glaubwürdig und authentisch sind. Geschichten, die etwas mit der Biografie des Politikers zu tun haben, Geschichten, die der Politiker selbst erlebt hat, die aus seinem Herzen kommen und ihn berührt haben. Das heißt: Geschichten, die mich als Politiker selbst berühren, berühren meist auch andere. Hinter der Geschichte muss eine Botschaft stecken. Nicht der erhobene Zeigefinger ist gefragt, sondern eine bildliche Beschreibung dessen, was der Politiker eigentlich sagen will.

Beispiel: Die Geschichte vom einstigen Zahnproblemkind

Ich habe vor vielen Jahren Ferienspiele mit betreut. Unser Verein, der eher aus einem sogenannten besseren Viertel kam, richtete diese Ferienspiele immer in Kooperation mit einem sozialen Brennpunkt in der Stadt aus.

In einem Jahr hatten wir an jedem Tag einen Zahnarztnotfall. Junge Mädchen aus dem sozialen Brennpunkt waren davon betroffen. Wir fuhren die Kinder zum Zahnarzt. In der Regel hatten sie keine Krankenversicherungskarte und trotzdem fanden wir einen Arzt, der sie behandelte. Bei all diesen Kindern waren die Zähne weggefault, sie hatten nur noch schwarze Zahnstümpfe im Mund. Wenn sie zu Hause waren, „behandelten“ die Eltern das Problem mit Schmerzmitteln.

Nach den Ferienspielen setzten wir uns mit den Sozialarbeitern zusammen und überlegten, was wir tun könnten. Wir boten dann Zahnprophylaxe für die Kinder an. In dem benachteiligten Stadtviertel gab es natürlich auch noch andere Angebote: etwa Hausaufgabenhilfe und Förderprogramme für Kinder; es gab Mädchengruppen und freiwillige Nachhilfestunden.

Jahre später machte ich Hausbesuche in einem dem Brennpunkt benachbarten Stadtteil. Und als ich an einer Tür klingelte, öffnete eine junge Frau, die mich spontan und herzlich begrüßte: „Hallo xxx!“ Ich war ein wenig verwirrt, weil ich sie nicht einordnen konnte, und fragte sie, woher wir uns kennen. Sie sagte schnell „Ich war das Mädchen von den Ferienspielen.“

Mir ging ein Licht auf. Diese junge Frau war eines der Zahnarztnotfallkinder. Jetzt strahlte sie mich mit wunderschönen Zähnen an und es schien ihr wirklich gut zu gehen. Eine nette junge Frau. Sie erzählte mir, dass sie als Einzige aus ihrer Familie den Realschulabschluss gemacht habe – alle anderen in der Familie hatten über Generationen hinweg die „Sonderschule“ besucht. Sie hatte einen Beruf und war glücklich verheiratet.

Lebendige Geschichte statt nüchterner Fakten

  • Manchmal fassen sich die Zuhörer beim Erzählen an die Wange, weil sie selbst einen leichten Schmerz empfinden. Im Kopf entsteht sicher ein ekeliges Bild von weggefaulten Zähnen und die Zuhörer lächeln, wenn sie sich die strahlende junge Frau vorstellen.
  • Erzählt wird eine Geschichte von der Chance des sozialen Aufstiegs, was an Positivem geschieht, wenn soziale Systeme wirken, wenn kommunale Sozialpolitik im Sinne eines wirkungsorientierten und präventiven Ansatzes praktiziert wird.
  • Es wird nicht eine Zahl verwendet und es wird nicht über die Ergebnisse der Sozialerhebung in diesem Stadtteil gesprochen, von der hohen Sozialhilfedichte oder den vielen Familien, die eine Schuldnerberatung brauchen.

Wie wirkt Storytelling in der politischen Kommunikation?

Die Hirnforschung belegt: Jeder Denkprozess wird von inneren Bildern begleitet, die unser Gehirn fortlaufend konstruiert. Deshalb setzen wir mit Erzählungen ein wahres „Kopfkino“ in Gang. Gut gewählte Beispiele, schillernde Anekdoten und professionell erzählte Geschichten haben eine große psychologische Kraft. Sie wecken die Neugier, lösen Emotionen aus, vermitteln das Gefühl der Vertrautheit und machen komplizierte Vorgänge verständlich.

Autor: WEKA-Redaktion

Weitere Informationen zum Storytelling in der Kommunalpolitik finden Sie in Verwaltungsmanagement & Kommunalpolitik.


Das könnte Sie auch interessieren:

9 Tipps für Kommunalpolitiker bei der Zusammenarbeit mit Journalisten

Warum Pressearbeit in der Kommunalpolitik wichtig ist

Auf in die Wahl! 6 Tipps für Kommunalpolitiker

Add Comment