Vitale Innenstädte: Nutzen der standardisierten Passantenbefragung

© iStock / Getty Images Plus / Daria Kashurina

Mit „Vitale Innenstädte“ benennt das Institut für Handelsforschung/IFH in Köln ein bundesweites, auf Dauer angelegtes Projekt. Es ermöglicht den beteiligten Kommunen zu überschaubaren Kosten aktuelle Daten über die Situation ihrer Innenstädte aus Sicht der Bürger und Besucher der Stadt zu gewinnen: Eine vollstandardisierte Passantenbefragung, die seit 2014 alle zwei Jahre durchgeführt wird.

Inhalt

Fragebogen

Fazit

Inzwischen nehmen über 100 deutsche Kommunen daran teil. Die Erhebungsergebnisse bieten verlässliche Anhaltspunkte für Entscheidungen in den Bereichen Stadtentwicklung und Stadtmarketing. Zudem gestatten sie den Vergleich zwischen Kommunen gleicher Größe und bei wiederholter Teilnahme lassen sich auch Veränderungen im Zeitablauf erkennen.

Fragebogen

Kern der Untersuchung ist der für alle teilnehmenden Kommunen einheitlich gestaltete Fragebogen. Er enthält keine „offenen“ Fragen, sondern besteht ausschließlich aus „geschlossenen“ Fragen, also aus fertig formulierten Antwortvorgaben zum Ankreuzen. Auch die Zusatzfrage, die jede teilnehmende Kommune auf ihre besonderen Belange zugeschnitten beisteuern kann, ist geschlossen zu formulieren. Dieses Verfahren ermöglicht die maschinelle Auswertung der ausgefüllten und eingesandten Fragebögen durch das IFH und erlaubt das ausgesprochen günstige Preis-Leistungs-Verhältnis.

Abgefragte Themen sind für alle Kommunen von Bedeutung

  • Typologie der Besucher der Innenstadt nach demografischen Kriterien und Verhaltensmustern,
  • ihr Einkaufsverhalten auch in Bezug auf das Online-Shopping,
  • Informationsverhalten der Besucher in Bezug auf diverse Angebote der Innenstadt,
  • Bewertung der Innenstadt nach den Stärken und Schwächen ihres Angebotsspektrums,
  • Anforderungen und Wünsche der Besucher an „ihre“ Innenstadt,
  • Bewertung der Erreichbarkeit der Innenstadt
  • und speziell im Jahr 2020 das Einkaufsverhalten während der Corona-Pandemie

Zahl der Interviews ist nach Einwohnerzahl gestaffelt

  • in Kommunen bis 50.000 Einwohnern werden z. B. 400 Interviews durchgeführt
  • in Städten zwischen 100.000 und 250.000 beträgt die Fallzahl 800
  • bei mehr als 300.000 Einwohnern sind es 2.000 Interviews

Damit lassen sich nach Einschätzung des IFH aussagekräftige Daten gewinnen: „typische Ergebnisse, die die Normalsituation abbilden sollen“.

Auswertung

Die teilnehmende Kommune erhält ihre Ergebnisse in Form eines individuellen „Auswertungspakets“, das aus folgenden Teilen besteht:

  • Überblick über die wichtigsten Ergebnisse in Form einer Powerpoint-Präsentation
  • Satz detaillierter Tabellen (pdf- Dateien, Exceldateien, Karte des Einzugsgebiets der Stadt)
  • Rohdaten der Stadt (Original-Interviews) zur individuellen Verarbeitung

Bei der Auswertung wird unterschieden nach

  • Auswertungen für die jeweilige Stadt: nach Befragungs-Tagen und im Durchschnitt beider Tage und
  • den Durchschnittswerten der jeweiligen Ortsgrößenklasse, ebenso nach Befragungs-Tagen und im Durchschnitt beider Tage.

Gegen Aufpreis sind darüber hinaus Sonderauswertungen nach den Wünschen der interessierten Kommunen möglich.

Um die Vertraulichkeit der Daten zu gewährleisten, erhalten nur die teilnehmenden Städte ihre individuellen Ergebnisse. Beim „Benchmarking“, also beim Vergleich mit den Besten, werden anonymisierte Daten verwendet. Die Veröffentlichung der individuellen Ergebnisse erfolgt durch die teilnehmenden Städte selbst oder in Abstimmung des IFH mit den jeweiligen Teilnehmern.

Nutzen des Verfahrens für teilnehmende Kommunen

  • Klarheit über die Besucherstruktur der Innenstadt und über die Einschätzung ihrer Stärken und Schwächen aus Sicht der Besucher;
  • konkrete Ansatzpunkte für
    • die Werbung (Nutzung der Stärken),
    • Optimierungsmaßnahmen (Abbau von Schwächen) und
    • die Kommunikation (Inhalt/Botschaften, Medienwahl, Zeitpunkte etc.).
  • Die kommunalen Gremien erhalten objektive Daten zur Fundierung von Entscheidungen über Maßnahmen zur Stadtentwicklung und für den konstruktiven Dialog mit wichtigen örtlichen Akteuren, vor allem mit den Händlern, Gewerbetreibenden und Immobilieneigentümern.

Und sie können auf Basis der Ergebnisse in den Erfahrungsaustausch mit anderen teilnehmenden Städten eintreten, den das IFH organisiert. Außerdem gewinnen die Teilnehmer Klarheit darüber, welche ergänzenden eigenen Erhebungen (mit offenen Fragen!) für ihre spezifischen Fragestellungen wichtig sind.

Fazit

Aus fachlicher Sicht sind die Methoden der Untersuchung „Vitale Innenstädte“ als zweckmäßig und angemessen und ihre Ergebnisse als ausgesprochen nützlich zu bewerten. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist attraktiv, sodass die Teilnahme den Kommunen uneingeschränkt empfohlen werden kann.

Hinweise:

Autor: Dr. Karl J. Eggers ist selbstständiger Unternehmens- und Kommunalberater mit Schwerpunkt Marketing.


Das könnte Sie auch interessieren:

Integriertes Stadtmarketing am Beispiel Kronberg im Taunus

Stadtmarketing: Theorie und Praxis in der Kommune

Add Comment